====== Tag 42, 9.8.2013 ====== Hallo zusammen. Wir haben unsere "Fluchtburg" erreicht. Nicht die gewünschte in Biograd (unserem "Winterlager" ab 1. September) aber dafür die Marina Dalmatija in Sukosan, etwas 15km südlich von Zadar. Gemäss dem kroatischen Wetterbericht (DHMZ oder meteo.hr) soll es ja ab morgen sehr früh starken Wind aus NW bis NE geben. Man kann darüber streiten ob das jetzt eine Bora ist oder einfach nur der Durchzug einer Kaltfront, aber wenn 30-45 kn Wind angesagt sind für die Nordadria und Teile der Zentraladria (Zadar liegt genau auf der Grenze) und bis zu 60kn im Velebit-Kanal (das ist östlich der Inseln Krk, Rab und Pag vor dem Velebit-Gebirge), dann gehe ich doch lieber für zwei Tage in eine Marina. Leider waren wie gesagt alle anderen schon voll. Wieso muss Petrus oder Poseidon (je nach Gusto) den Starkwind auch unbedingt auf das Wochenende legen, wo alle grösseren Marinas sowieso schon mit den Crewwechseln der Charterschiffe komplett überfüllt sind? Wir haben heute morgen nochmal bei fast Windstille schön in der Südbucht der Insel Arta Mala gebadet und diesmal war Iris die Tierdompteurin (oder heisst das Dompteuse?): {{ :blog:2013-08-09:dsc_6129_kl.jpg?direct&300 |}} {{ :blog:2013-08-09:dsc_6130_kl.jpg?direct&300 |}} Danach sind wir dann losgefahren und haben uns durch die nördlich von Murter gelegenen kleinen Inseln geschlängelt. Echt ein schönes kleines Revier. Wenn man ein Motorboot hat. Denn dann kann man auch zwischen fast allen Inseln durchfahren ;-) Für uns ist es meistens zu flach und wir mussten immer wieder Umwege fahren. Danach ging es auf den Südeingang des Zadarski Zaljev (den "Kanal von Zadar" zwischen den Inseln Ugljan und Pasman und dem Festland) zu. Dort liegt Biograd na Moru, wo tonttu ab September einen Jahresliegeplatz hat. Leider haben uns die Leute von der Marina gestern am Telefon nicht viel Hoffnung auf einen Platz für zwei Nächte gemacht. Wir sollten es einfach heute morgen nochmal telefonisch probieren. Das habe ich auch getan und man wollte mich nach 10 min zurückrufen. Als nach 40 min immer noch kein Rückruf kam habe ich nochmal angerufen und bin dann auf später verwiesen worden. Man müsse erst mit dem Manager sprechen. Keine Ahnung wieso. Wenn voll ist ist voll. Das kann ich ja durchaus akzeptieren. Ich habe mir also keine grossen Hoffnungen gemacht. Es wäre aber ideal gewesen, denn dort in der Marina steht ja schon unser VW-Bus und wir hätten dann gemütlich einen Ausflug nach Zadar machen können. Als wir vor der Marina waren, habe ich per Funk nochmal nachgefragt, aber es war nichts frei. Also weiter nach Sukosan zur Marina Dalmacija. Dort habe ich gestern einen Platz reservieren können. Zumindest meinte der Mann am Telefon es sei kein Problem ich sollte einfach kommen. Auf mein drängen hin hat er zumindest noch den Schiffsnamen notiert (sagte er zumindest). Mit der gegenäufigen Strömung und dem stärker werdenden Gegenwind (13kn) kamen wir nicht mehr so schnell vorwärts, und wollte nicht noch durch aufkreuzen mehr Zeit verlieren, denn heute sind die Plätze in den Marinas schnell aus... Wir waren dann gegen 15 Uhr vor der Marina und am Funk war man in den Antworten auf meine Anfrage nach meinem reservierten Platz sehr zögerlich, hat sich aber nicht die Blösse gegeben zu sagen, man wüsste nichts davon. Ich bin also reingefahren und wurde gebeten noch ein wenig Kreise zu drehen bis man einen Platz gefunden hat. Nach ca. 10 min war es auch so weit und wir liegen jetzt am Steg 30 direkt neben einer anderen Hanse 495 aus Italien. Die haben sich ein wenig gewundert warum ich mich so eingespannt habe und so viel Abstand hinten zur Mole gelassen habe (wir kommen mit der Gangway gerade so rüber). Aber so sind sie halt die segelnden Italiener. Sie wissen zwar vom Wetterbericht, lassen sich davon aber nicht weiter stören. Auch eine Einstellung. Vielleicht auch gar nicht die schlechteste. Wir sind dann erst mal zum Strand vor zum Eis essen und schwimmen. Die Marina hier hat nämlich einen Teil der Stege halbkreisförmig (mit dem Zentrum des Kreises nach aussen zum Meer) angeordnet und in diesem Halbkreis haben sie Kiesstrand aufgeschüttet. Und unser Steg 30 ist genau im Zentrum dieses Halbkreises. Es sind also ca. 100 m zum Strand ;-) Zurück an Bord gab es Tortellini mit Schinken, Erbsen und Sahnesauce und in dünne Blättchen geraspeltem Parmesan. Man muss ja auch dafür sorgen, dass das Essen optisch etwas her macht :-) Danach haben wir die Kinder ins Bett gebracht und ich habe tonttu zum Grossteil Windfest gemacht. Der Code0 (den wir auf dem Weg von den Murterschen Nordinseln nach Biograd gebraucht haben) ist zum Teil in der Tasche und der Rest an Deck festgelascht. Das Dinghi auf dem Kopf und gut an Deck verzurrt. Das Grosssegel in der Lazy-Jack Tüte eingepackt und zusätzlich zu den beiden Moorings und den beiden Heckleinen habe ich noch zwei Springs am Heck ausgebracht und zwei weitere Leinen (eine ins vermeintliche Luv bis vor das Nachbarschiff am Steg; die andere als weitere luvseitige Heckleine von der Mittelklampe aus auf den Poller) ausgebracht. Zum grossen erstaunen der Italiener. Die lachen sich wahrscheinlich heimlich einen Ast. Wenn es aber wirklich wie angekündigt morgen früh um 5 losgeht, dann ziehe ich nur kurz die schon vorbereiteten Leinen fest und lege mich wieder ins Bett und die turnen halb verschlafen übers Deck und holen dann alles nach. Wenn es nicht weht, dann kann ich meine Leinen ja wieder alle reinholen. Wenigstens weiss ich dann, dass ich viele ganz tolle Leinen habe ;-) Ach so, a propos Italiener auf Segelyachten (wird bei Italienern auf Motoryachten wohl nicht anders sein): Es ist erstaunlich, aber die verwenden fast alle durchgehend Plastik-Wegwerfgeschirr. Das Zeug bei dessen Verwendung an einem Kindergeburtstag (da sind es ja dann meistens Pappteller, aber das macht ja keinen wirklichen Unterschied) wir immer so ein schlechtes Gewissen bekommen. Vor allem wusste ich noch nicht, dass es von dem Zeug sogar Wegwerf-Salatschüsseln und sonstiges Grossgeschirr gibt. Vielleicht gibt es das aber auch wirklich nur für den italienischen Markt ;-)