====== Tag 65 (5.7.2012) ====== "Is there anybody out there?!" kann man mit den beruehmten Worten einer Musikgruppe sagen, die mit mir eine gewisse Namensaehnlichkeit hat... Das gilt in zweierlei hinsicht: Keiner von Euch ruehrt sich ;-), weder mit Kommentaren im Blog noch per Anruf auf unserer tollen albanischen Telefonnummer, die wohl noch bis Mitte der kommenden Woche in Betrieb sein wird (dann kommen wir wohl nach Korfu). Und andererseits ist hier auf dem Meer wirklich nichts, aber auch gar nichts los... Heute ist Skipper Mark mal wieder extremst untypisch frueh augestanden: Um 04:00 hat mein Handy geweckert und um 04:15 ging der Anker hoch und wir waren noch im Dunkeln bei etwas Mondschein unterwegs. Als dann um 5 das erste Licht kam und um halb sechs tatsaechlich die Sonne ueber den Bergen aufging, war der wenige Wind (7 kn) leider schon wieder weg (nur noch 3 kn), und ich hatte mich doch so gefreut bei Sonnenaufgang die Segel setzen zu koennen. Sonnenaufgangsimpressionen: {{ :blog:2012-07-05:orikum_sonnenaufgang1.jpg?300 |}} {{ :blog:2012-07-05:orikum_sonnenaufgang2.jpg?300 |}} {{ :blog:2012-07-05:orikum_sonnenaufgang3.jpg?300 |}} So waren wir jedoch wenigstens flott unterwegs in der Einsamkeit. Ich habe auf der ganzen Fahrt heute (und es waren immerhin 53 sm) nur 3 Fischerboote gesehen und einen Frachter (wenn man die Faehre, die in Vlore an der Pier lag nicht mitzaehlt). Gegen halb eins waren wir dann querab der Insel Sazani (westlich von Vlore). Da auf dieser Insel die Nato (sprich Italien) einen Stuetzpunkt hat, um von dort aus die Strasse von Otranto (also die Meerenge zwischen dem italienischen Stiefelabsatz und Albanien) zu kontrollieren, ist diese Insel weitraeumig als militaerisches Sperrgebiet abgegrenzt. Deshalb habe ich schon kurz vorher das Funkgeraet angeschaltet und Kanal 16 abgehoert. Und tatsaechlich rief da einer "Albanian Coast Guard calling Sailing Ship". Ich bin also runter und habe nochmal zugehoert ob das wirklich mir gelten koennte und habe dann auch geantwortet. Ich wurde freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass ich in einer "restricted zone" unterwegs sei. Ich meinte darauf hin, ich waere mir sicher gewesen, nicht das Sperrgebiet beruehrt zu haben, werde aber sofort den Kurs weiter in Richtung Vlore aendern auf meinem Weg nach Orikum (das ist suedlich von Vlore). Dann habe ich mir nochmal genau die Karte angesehen und mit meiner Position verglichen und festgestellt, dass ich mehr als deutlich ausserhalb der (nur in der papierenen British Admiralty Chart, aber nicht auf meiner digitalen Navionics-Karte im Kartenplotter an Deck) militaerischen Sperrzone bin. Also habe ich meinen Mut zusammen genommen und nochmal die "Albanian Coast Guard" angefunkt, um mir sagen zu lassen wo ich eigentlich angeblich nicht sein darf und wohin ich mich dann zu verziehen habe. Und, was stellte sich heraus: Der Kuestenwachtler meinte ein Segelschiff auf der Westseite der Insel (das wohl tatsaechlich im Sperrgebiet war) und nicht mich. Da aber so wenig Segler unterwegs sind (wie gesagt, ich habe den ganzen Tag keinen einzigen gesehen), habe ich mich faelschlicher Weise angesprochen gefuehlt, und er konnte ja nicht wissen, welcher Segler ihm antwortet (wahrscheinlich hat er mich gar nicht bemerkt gehabt auf seinem Radar, da ich ja nicht im Sperrgebiet war). Er hat sich auf jeden Fall hoeflichst entschuldigt (er haette ja eigentlich etwas praeziser sein muessen, so in der Art "sailing vessel 1 mile west of island Sazani", oder so...), mich in den albanischen Gewaessern willkommen geheissen und mir eine gute Fahrt gewuenscht. Das "willkommen geheissen" kam mir so verdaechtig vor (ich wollte ja nicht auf den "illegale Einreiser"-Index kommen), dass ich gleich hinterhergeschoben habe, dass ich in Shengjin eingereist bin und gerade von Durres nach Vlore/Marina Orikum unterwegs bin, um alle Missverstaendnisse auszuschliessen. Das war also unsere freundliche Begegnung mit der albanisch/italienischen Seeraumueberwachung vor Albanien. Gegen 14:00 Uhr kamen wir dann schon an der Marina an und die Marinaleute waren so freundlich mich mit ihrem Dinghi durch die Einfahrt zu lotsen, denn die ist maximal 2.8m tief (was nur noch 4 Handbreit unterm Kiel laesst). Das war sehr freundlich und entgegenkommend. Leider ist unser Liegeplatz nicht so ideal, da sie nur zwei Plaetze fuer Schiffe ueber 13m Laenge haben und die schon voll waren. Deshalb ist unsere Mooring eher duenn und geht fast senkrecht runter ins Wasser. Da wir am Nachmittag noch etwas Wind von vorne hatten, habe ich mir deshalb erlaubt uns noch am Nachbarn (eine Motoryacht aus England, die wohl Dauerlieger ist und einen der beiden langen Plaetze hat) mit einer Leine nach vorne zu ziehen. Am Strand waren alle durstig: Lara hat sich mit ihrer Fantadose spontan in die "Brandung" gesetzt (und kam nach ein paar Minuten weinend zurueck, weil ihr die Dose ins Salzwasser gefallen war und die Fanta nicht mehr schmeckte)... {{ :blog:2012-07-05:orikum_larafantabeach.jpg?300 |}} Anna hat sich in Streifenumhanghandtuch auf den aus Holz gezimmerten Steg gestellt, um die Szenerie zu geniessen... {{ :blog:2012-07-05:orikum_annafantasteg.jpg?300 |}} Wir sind dann mit dem Dinghi aus dem Hafen raus und gleich nebenan an den Strand gefahren und haben dort noch ein wenig geplanscht. Leider hat Lara in den letzten fuenf Minuten baden eine Begegnung mit einer Qualle gehabt (nehmen wir an, denn sie hat ziemlich Schmerzen gehabt und heftige Quaddeln hinten am rechten Oberschenkel). So ein Mist. Wir haben sie mit Fenistil behandelt (die Alternativen laut unserem Buch "Medizin an Bord" waeren Salmiakgeist gewesen - den haben wir nicht dabei - oder einreiben mit Urin, das wollten wir dann doch nicht) und beim Abendessen ging es ihr schon wieder besser und jetzt schlaeft sie gut. Arme Maus! Aua!!!! {{ :blog:2012-07-05:orikum_laraaua.jpg?300 |}} Ich war dann noch mit einem der Marineros beim Vodafone Shop in Orikum und habe dort neue Gespraechsminuten aufgeladen, da wir die wenigen, die ich drauf hatte beim Geburtstagsanruf bei Constanza heute Vormittag verbraten haben. Jetzt habe ich ein 25min-Deutschland-Paket fuer 500 ALL (also ca. 1.60 EUR) ;-) Im Notfall werden wir nach der Ausreise von Sarande, auf dem Weg nach Korfu irgendjemand 25 min lange vollquatschen! Morgen geht es wieder frueh los, allerdings erst um 07:00. Wir wollen eigentlich nur knapp 28sm nach Sueden (also 10 davon sind erst mal nach Norden, um aus der Bucht von Vlore rauszukommen) in eine Bucht. Doch falls die nichts ist, ist die naechste sichere Ankermoeglichkeit erst Porto Palermo, nochmal 10sm weiter suedlich. Wir werden morgen Abend sehen, wo wir gelandet sind ...