====== Tag 70 (10.7.2012) ====== So, wir sind in Griechenland... Am Morgen hat mich Agim, unser Shipping Agent, netter Weise noch zu einem Getraenkegrossmarkt gefahren und ich habe uns fuer 70EUR mit 30L Mineralwasser, je einer Palette Tirana-Bierdosen, Coke, Fanta, Lemon Soda und Apfelsaftflaeschchen und einem Six-Pack 2-Liter-Kartons Pfanner Orangen-Nektar, sowie 10 L Haltbare Milch kaeuflich erworben. Leider gab es dann Probleme in den Hafen rein zu kommen. Die Amerkikaner machen naemlich gerade ein Monitoring der Sicherheitsprozesse im Hafen von Sarande. Und da, wo man vorgestern einfach durchs Tor spaziert ist und gedeutet hat, dass man auf das Schiff dort hinten gehoert, geht jetzt gar nichts mehr. Wir mussten also durch die Zollkontrolle durch, so wie jeder der mit einer Faehre von Sarande nach z.B. Korfu faehrt. Das war deshalb doof, da ich den kompletten Einkauf erst mal ein paar Stufen hoch, durch das Zollgebaeude und dann wieder ein paar Stufen runter schleppen musste, nur um auf der anderen Seite des Zauns anzukommen. Ganz doof war, dass ich auch erst noch warten musste, bis ein komplettes Tragfluegelboot mit Leuten aus Korfu abgefertigt war, also in der anderen Richtung, denn die haben nicht so viele Leute um beide Zolldurchgaenge gleichzeitig zu besetzen. Na ja, als ich dann alles auf dem Schiff hatte waren Iris und die Kinder wenigstens mit dem Fruehstueck fertig, so dass wir dann gleich ablegen konnten. Mit einer kurzen Unterbrechung der Motorfahrt fuer einen Segelversuch (bei 9kn habe ich die Segel rausgezogen und eine knappe halbe Stunde spaeter bei 4kn wieder eingerollt) sind wir gegen 13:00 Uhr am Hafen von Kerkyra (Korfu-Stadt) angekommen. Da dort einiges umgebaut worden ist und auch das neue Hafenhandbuch noch nicht ganz mit der Realitaet uebereinstimmt wollte ich auf Kanal 16 (Not- und Anrufkanal) jemanden von der "Port Control" um einen Hinweis bitten, wo ich anlegen soll um einzuklarieren. Aber da hat sich doch tatsaechlich bei ca. 20 Versuchen innerhalb von 15 min (auch auf Kanal 17) keiner gemeldet. Spaeter hat Iris auch noch eine grosses Kreuzfahrtschiff, dass in Sichtweite an der Mole lag mehrfach per Funk nach einem Lotsen rufen hoeren, auch ohne Erfolg. Blick bei der Anfahrt auf die Stadt und einen Teil des Hafens: {{ :blog:2012-07-10:dsc_4283.jpg?300 |}} Ich habe uns dann einfach so nah wie moeglich an dem grossen Gebaeude mit der Aufschrift "Central Port Authority" gelegt und bin einfach rueber gelaufen. Zu dem Zeitpunkt war mir egal, dass es nicht danach aussah, als waere ich noch im "exterritorialen Bereich" ;-) Der Hafenmeistereiangestellte, zu dem ich geschickt wurde hat sich dann auch nach knapp 10 min froehlichen telefonierens herabgelassen mir mitzuteilen, dass ich erst zum Zoll muss (das war mir auch schon klar, nur wusste ich nicht wo der Zoll ist) und dafuer mit dem Schiff an eine andere Mole fahren muss. War mir egal, ich bin einfach zu Fuss dort hin gelaufen, denn ansonsten haette ich mitten zwischen den Faehren anlegen muessen. Und ich glaube, da haette sich dann sicher jemand anderes wieder darueber aufgeregt. Bei der Zollabsperrung bin ich dann erst mal froehlich in der falschen Richtung durchgeschickt worden und in das Zoll- und Abfertigungsgebaeude verwiesen worden. Das sieht ungefaehr so aus wie ein kleiner Flughafenterminal mit Check-In Counter, Sicherheitskontrolle und Gates. Da werden ja auch immerhin bis zu 4 Faehren parallel abgewickelt ;-) Der dortige Zollbeamte hat mich dann erst mal wieder ca. 15 min stehen lassen, nur um dann festzustellen, dass ich gar kein Transit-Log brauche (das auszustellen waere sein Job gewesen), da tonttu ja in der EU registriert ist und eine EU-Crew hat. Also hat er mich weiter zur Polizei geschickt. Gut dass ich gefragt habe, wo die sei und mich etwas daemlich angestellt habe seiner Erklaerung zu folgen. So hat er sich aufgerafft mich dort hin zu begleiten. Das war auch gut so, denn da war keiner. Also hat er mich wieder im "Terminalgebaeude" abgestellt und versprochen den Polizisten in 5 min zu bringen. Ich entschloss mich bei der Ansage "5 min" erst mal was zum Trinken zu kaufen im Duty Free Shop. Dort ist natuerlich dem Kassierer das Geld ausgegangen, so dass ich auch dort deutlich laenger als ueblich gebraucht hatte. Netter Weise ist der Polizist, der inzwischen schon aufgetaucht war aber nicht gleich wieder abgehauen. Er hat dann in seinem Buero (wieder im anderen Gebaeudeteil, wo wir ihn vorher schon gesucht haben) kurz die Paesse angesehen, meine Crewliste beaeugt, mit mir ueber die EM gesprochen und mich dann zum Hafenkapitaen geschickt. Ich habe dann etwas rumgedruckst, da ich nicht ohne irgendeinen Nachweis bei ihm gewesen zu sein (denn die Paesse oder Crewliste hat er ja nur angesehen, nicht gestempelt) wieder zum Hafenkapitaensassistenten zurueck zu kommen. Der haette mich dann glatt nochmal zum Zoll geschickt. Der Polizist hat sehr schnell gemerkt worauf ich raus will (er kennt das Problem wohl ;-) ich lag also nicht so falsch mit meiner Vermutung) und hat mir die Crewliste zumindest visiert mit einem kurzen Satz in griechisch daneben. Also bin ich wieder zurueck zum "Central Port Authority"-Gebaeude und habe mich wieder in die Tuer vom Office 7 gestellt. Nach ca. 10 min hat sich dann auch tatsaechlich einer um mich kuemmern wollen und zumindest gefragt, was ich moechte. Ich sagte "check in" und man wollte mich wieder zum Zoll schicken. Als ich erklaert hatte dort schon gewesen zu sein, hat man die juengste Kollegin verdonnert sich um mich zu kuemmern. Ich wurde schlussendlich am Infoschalter (aussen an der kleinen Ablage des Counters) abgefertigt und sie musste staendig wieder wegen irgend etwas weg rennen (Stempel, Formulare etc.). Am Schluss kam eine unterschriebene Crewliste raus und ich musste 15 EUR zahlen. Natuerlich konnte sie meinen 20 EUR Schein nicht wechseln! Waere ja auch zu viel verlangt, wenn eine Gebuehren einkassierende Behoerde Wechselgeld vorraetig hat. Sie hat mich also raus auf die Strasse zu dem kleinen Kiosk geschickt. Der hatte natuerlich keine Lust mir Geld zu wechseln (wahrscheinlich schicken die pro Tag 20 Leute zu dem) und ich wollte mir nichts kaufen. Also bin ich wieder rein und habe gesagt der Kioskmann weigert sich mir zu wechseln und ob denn nicht per Zufall jemand in der "Central Port Authority" in irgendeiner Kasse Wechselgeld habe. Und siehe da, nach 5 min hat sie das Kleingeld aufgetrieben! Die Aktion hat mich insgesamt 1.5 Stunden gekostet. Da lobe ich mir Albanien. Da wird auf Kanal 16 sauber auf einen Anruf geantwortet und man kuemmert sich wenigstens um einen und die Prozedere sind vielleicht nicht einfacher aber definitiv besser organisiert und transparenter. Kein Wunder, dass Griechenland pleite ist! Egal, wir sind dann so schnell wie moeglich weg vom Stadthafen und wollten eigentlich doch gleich in die Marina Gouvia. Wir haben es aber dann trotzdem noch im Hafen Mandraki (der Hafen zweier Segelklubs direkt unterhalb der Festung von Corfu) versucht. Der ist zwar recht flach, hatte aber doch noch einen Platz an dem wir an der Aussenmole (auf der Innenseite) mit Bug voraus und Mooringleine am Heck festmachen konnten. Wir haben eine super lange Planke vom Hafenmeister geliehen bekommen ueber die ich mich sogar an Lang getraut habe. Ich kam mir auf dem Ding ungefaehr so vor wie die Leute, die ich als 14-jaehriger in Indonesien gesehen habe, wie sie Zementsaecke ueber ca. 10m lange federnde Planken ein Bugis-Schiff entluden. tonttus Liegeplatz im Hafen Mandraki (von unserer Badestelle aus photografiert): {{ :blog:2012-07-10:img_0383.jpg?300 |}} Wir haben dann das Dinghi klar gemacht und sind ueber dei Heckplattform gemuetlich ausgestiegen und 100m rueber zu einem kleinen "Strand" mit Cafe gefahren. Da war eigentlich auch eine Art Strandbad mit etwas Kiesstrand im Schatten der Festungswaelle aber wir sind nur in das Cafe gegangen, haben Eis gegessen und sind dort direkt von der Mole aus ins Wasser schwimmen gegangen. Blick aus dem Cockpit auf die Festungsmauern und einen Teil des Yachtclub-Hafens, kurz vor Sonnenuntergang: {{ :blog:2012-07-10:img_1826.jpg?300 |}} So, jetzt schlafen alle und ich muss noch rausfinden wo ich den Muell hier entsorgen kann (ueber die lange Planke laufend). Morgen versuchen wir einen der von der ADAC-Langzeit-Auslandskrankenversicherung genannten Englisch sprechenden Zahnaerzte zu finden, um Iris Goldplombe wieder einkleben zu lassen, die sich in Montenegro geloest hat. Und ich werde versuchen eine griechische Telefon- und Datenkarte aufzutreiben. Im Moment surfe ich noch mit der albanischen, die Kueste ist ja nur 5 Meilen entfernt, das geht super. Viel besser als das freie WLAN hier von der Marina ;-)