====== Tag 89 (29.7.2012) ====== Heute haben wir doch etwas krisenerschuetterte Ecken gesehen. Vor dem Fruehstueck bin ich mit Anna zum Brot und Croissant holen gegangen. Wir haben uns in die Gassen der Stadt Vonitsa geschlagen (denn ich wollte die Croissants nicht einfach bei einer der Bars an der Promenade holen und Brot brauchten wir ja wie gesagt auch) und haben deshalb Ecken von Vonitsa kennengelernt in denen jedes fuenfte Haus verlassen ist oder schon zerfallen oder nicht fertig gebaut. Auch jedes zweite Geschaeft sah irgendwie nicht mehr so aus als wuerde es nochmal oeffnen. Das muss aber nicht an der Krise liegen, sondern koennte auch darin die Ursache haben, dass Vonitsa nicht gerade der Nabel der Welt ist und auch vom Tourismus nicht besonders viel abbekommt. Jedenfalls haben wir dann noch die Baeckerei gefunden. Herrlich. Zwei Herren in deutlich erhoehtem Alter (gehoben kann man dazu schon nicht mehr sagen), die Ihre kleine Baeckerei wie Pat und Pattachon betrieben. Der eine (ich nenne ihn jetzt Pat) hat auf meine Frage nach einem Brot nicht einfach versucht zu erklaeren, welche der ca. 5 Sorten wodurch besonders heraussticht sondern zielsicher zu einem Laib gegriffen, ihn fachmaennisch einmal in der Mitte zusammengequetscht - wohl um mir zu zeigen, dass er noch so frisch ist, dass er wie ein Schwamm sofort wieder in die urspruengliche Form zurueck geht - und ihn dann einfach kommentarlos in eine Tuete gepackt. Danach habe ich angedeutet, dass ich aus den Vitrinen gegenueber am Schaufenster (das waren so alte Holzschraenke mit Glasfronten zum aufschieben, so wie frueher bei den Grosseltern die Anrichten bzw. Sideboards) noch etwas Gebaeck haben wollte. Croissants gab es natuerlich nicht, so ein neumodisches Zeugs. Da hat Pat seinen Kompagnon (ab jetzt Pattachon) herangepfiffen, da die Vitrinen wohl dessen Revier sind. Der war nur nicht mehr so besonders schnell auf den Beinen, so dass Pat schon etwas ungeduldig mit Augenbrauen hochgezogen zu mir ruebergeblickt hatte. Ich (oder eigentlich Anna) habe mich fuer ein paar halbmondfoermige dicke Kekse entschieden und mit der Hand 4 Stueck gezeigt. Die hat Pattachon sehr langsam und ziemlich tolpatschig in eine Papiertuete gepackt (mit Zange, was die Sache fuer ihn nicht gerade vereinfacht hat). Pat rief zwischendurch noch ein paar mal etwas woraufhin Pattachon nicht nur 4 Stueck sondern ca. 10 Stueck eingepackt hatte. Die gingen dann wohl aufs Haus. Waehrend der ganzen Einpackaktion hat Pattachon ungefaehr 3.5 Stueck der Kekse auf den Boden fallen lassen, diese muehsam mit der Hand wieder aufgesammelt und in den Papierkorb 2 Meter weiter geschmissen. Ihr koennt Euch vorstellen wie lange das gedauert hat. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die beiden an den Keksen viel verdienen, wenn da regelmaessig bei 4 bezahlten fast nochmal die gleiche Menge weggeschmissen werden und das eineinhalbfache kostenlos dazu gesteckt wird. Ich wollte dann noch zwei Kringel, ungefaehr in der Groesse einer Breze (in der Hoffnung, dass es sich nicht um suesses Gebaeck handelte). Als Pattachon dann sehr zittrig aber vergeblich versuchte so einen Kringel in eine der kleinen Papiertueten zu stecken, kam Pat mit einem Seufzer zu den Vitrinen rueber und hat die Sache buchstaeblich in die Hand genommen. Am Schluss haben wir fuer das Ganze dann 6.40 EUR gezahlt und sind wieder zurueck zum Boot gestapft. Nach dem Fruehstueck waren wir dann noch am Strand schwimmen und sind kurz nach halb 12 losgefahren in Richtung Preveza. Gleich vor dem Hafen habe ich dann schon das Vorsegel rausziehen koennen bei ca. 7 kn Wind und wir sind damit bis zur nordwestlichen Spitze der grossen Bucht von Vonitsa gesegelt und dort zwischen den Untiefen bei der vorgelagerten Insel durch. Danach wurde der Wind sogar staerker und wir konnten bei 9 bis 12 kn Wind nur mit der Fock bei 4.5 bis 5.3 kn Fahrt bis kurz vor Preveza aufkreuzen. Super schoen, vor allem da es ja im ambrakischen Golf kaum Welle gab. In Preveza kam uns leider ein kleiner Segler an unserem Platz von vor drei Tagen zuvor, so dass wir diesmal mit Buganker und Heckleinen liegen. Peinlicher Weise musste ich das Anlegemanoever zwei mal fahren, da ich mich mit der Ankerkette verschaetzt habe. Relativ schnell vor der Quaimauer wird das Wasser naemlich schon ueber 8m tief und dort wo man den Anker schmeisst sind schon 11m Wassertiefe. Das verlaengert natuerlich die Kette, die man braucht um mit dem Heck bis zur Quaimauer zu kommen. Beim ersten Versuch ist mir die Kette ca. 8 m vor der Quaimauer ausgegangen und die freundlichen Helfer mussten sich erst nochmal auf die Bank setzen. Beim zweiten Anlauf habe ich es eigentlich gar nicht so viel besser gemacht, aber bei 62m Kette (bei 63m ist Schluss) waren wir nah genug dran ;-) Spaeter habe ich dafuer noch einem Hollaender und einem Oesterreicher beim Anlegen helfen koennen und so ist unser Anleger-Karma wieder in Ordnung :-) Wir haben uns dann erst mal ein Eis vom Kiosk gegoennt (da gibt es naemlich meistens Calippo und das koennen die Jungs wunderbar selber essen und es ist fuer Luca auch ziemlich gut geeignet als reines Wassereis). {{ :blog:2012-07-29:dsc_4410.jpg?300 |}} Wir haben dann noch geschaut ob die Schuhgeschaefte evtl. doch noch am Spaetnachmittag aufmachen. Aber dem war leider nicht so. Luis braucht naemlich unbedingt Schuhe. Er passt gerade noch so in die kleinen Croqs rein und wenn wir nichts finden bis zu unserem Abflug nach Muenchen, dann muessen wir echt hoffen, dass dort schoenes Wetter ist ;-) Cool fand ich auch dieses Schild am Wegesrand vor einem Restaurant an der Promenade: Humbug als Essen ist neu fuer mich! {{ :blog:2012-07-29:img_1902.jpg?300 |}} Wir haben uns dann noch die kleine griechisch orthodoxe Kirche mit dem venezianischen Glockenturm angesehen - sehr schoen - und sind dann zum Crepe-Restaurant zum Abendessen gegangen. Als ich dieses Schild gelesen hatte ... {{ :blog:2012-07-29:img_1903.jpg?300 |}} ... war ich schon etwas enttaeuscht als ich diese Tuer gesehen habe ... {{ :blog:2012-07-29:img_1904.jpg?300 |}} ... und nicht eine ordentliche Schwing-Doppeltuer aus einem Western-Saloon ;-) Das Innere der Kirche: {{ :blog:2012-07-29:dsc_4411.jpg?300 |}} Iris beim beidarmigen reissen. Die Crepes sind gerade angekommen und die Jungs waren spazieren: {{ :blog:2012-07-29:img_1906.jpg?300 |}} Spaeter auf dem Boot habe ich unser Segler-Karma noch weiter aufgedoppelt und den Englaendern von nebenan unseren Creme-Brulee-Brenner geliehen, denn er musste ein paar neue Festmacher zurechtschneiden (die Vorcrew hat wohl bei rutschendem Anker die langen Heckleinen kappen und liegenlassen muessen) und den Oesterreichern (er heisst Sepp) habe ich noch ein wenig von unseren Albanienerlebnissen erzaehlt, da sie auf dem umgekehren Weg wie wir unterwegs sind (allerdings haben sie in der Donau angefangen bis runter ins schwarze Meer). So und nachher werde ich meinem Schatz und mir noch eine Crepe zum Nachtisch holen.