====== Tag 91 (31.7.2012) ====== OK, heute ist die Haelfte meines Sabattical rum. Wow, das ging schnell war aber bisher eine super schoene Zeit! Dafuer bin ich heute auch mal wieder an meine Sterblichkeit erinnert worden. Sorry, dass ich es so drastisch ausdruecke, aber Segeln ist halt doch manchmal genauso gefaehrlich wie der Rest des Lebens (also der zu Hause, oder beim Bergwandern, oder Radfahren, oder einfach die Treppe runter gehen, ...). Wir haben hier auf Meganisi in der mittleren Bucht der Ambelike Bay am Nordufer mit Buganker und 2 Heckleinen fest gemacht (keine Angst die Geschehnisse des Tages vorher kommen auch noch). Den Anker haben wir auf ca. 14 m geschmissen und konnten genau mit dem damals noch vorhandenen SSE-Wind (das ist Sued-Suedost) mit 40m Kette auf das Ufer zu treiben. Dort haben wir an der gewuenschten Stelle erst mal den Anker eingedampft (leichtes Rueckwaertsgas, um den Anker tiefer einzugraben und zu pruefen ob er haelt) und ich bin dann mit der 60m-Leine und einer kurzen weissen zum Land geschwommen und habe unser Heck (Backbord-Klampe) mit einem stabilen Baum (hier in Griechenland darf man das noch, in der Tuerkei ist nur noch an Steinen festmachen erlaubt; haette ich auch hier gerne gemacht, aber es bot sich nichts an) mit dem Festland verbunden. Dann dachte ich fuer die normal Abends eintretenden NW-Winde waere es gut noch eine zweite Leine auszubringen zu einem weiteren Baum etwas weiter "links" (vom Heck von tonttu aus gesehen), da wir dann ja primaer an diesen Leinen haengen werden. Also haben wir erst mal noch weitere 10m Kette rausgelassen, die BB-Heckleine (Backbord-Heckleine) noch entsprechend nachgezogen und ich bin mit der 30m-Leine und einer langen weissen Leine wieder mit den Croqs als Schwimmschuhe (denn A) gibt es hier auch Seeigel und B) muss man ja erst mal die Felsen im Wasser und die kurze Boeschung zum Baum hoch kommen) an Land geschwommen. Beim hochklettern und die weisse Leine um den Baum schwingen ist der Felsbrocken auf dem ich Stand aus dem Hang herausgebrochen und abgestuerzt. Ich waere auch mit abgestuerzt, wenn ich mich nicht noch an dem Baum (der Stamm geht erst mal ein Stueck fast waagerecht raus und dieser Teil war ca. 1m rechts von mir und auf Hoehe des Brustkorbs) festhalten haette koennen. Auch das war knapp, denn ich bin erst mal ein Stueck mit den Armen um den Stamm herumgerutscht bis ich wieder mit den Fuessen am Hang halt gefunden habe. Haette ich das nicht geschafft, waere ich der Laenge nach mit der rechten Seite auf die Felsbrocken ca. eineinhalb Meter unter mir gefallen. So ist mir zum Glueck ausser ein paar Schrammen am Bein und an den Ellenbogen nichts weiter passiert. {{ :blog:2012-07-31:img_1916.jpg?300 |}} Und was lernen wir daraus: Alles mit der Ruhe und immer erst pruefen ob der Standplatz auch sicher ist. Vor 15/20 Jahren ist mir sowas auch einige male passiert, aber da hat es mich danach nicht so geistig durchgeschuettelt wie jetzt. Nicht auszudenken was fuer Probleme ich mit einem tatsaechlichen Absturz fuer Iris verursacht haette... Na ja, und jetzt liegen wir da und warten auf den NW-Wind. Der kommt jetzt auch endlich (aktuell mit 6 bis 7 kn) aber bis er kam hat er sauber von suedlichen Richtungen ueber NE mit bis zu 20 kn gedreht und erst vor 10-15 min auf NW. Deshalb habe ich auch aktuell noch (wieder) den Motor an, denn zwischendurch hat es ganz schoen von der Seite gepfiffen. Jetzt wird mir wieder klar, warum ich eigentlich gar nicht so gerne mit Buganker und Heckleinen zum Land liege. Wenn dann der Wind von der Seite kommt fuehlt man sich nicht mehr so wohl, da - fuer den Fall, dass der Buganker nicht haelt - die Reaktionszeit sehr kurz ist, bis man von der Heckleine gehalten seitlich an Land treibt. Aber die Segler unter Euch wissen hoffentlich von dieser truegerischen Sicherheit "Landleine". Wenn der Wind allerdings von Land oder direkt aus Richtung des Bugankers kommt, dann ist alles ok. Aber wenn genug Platz ist und die Bucht in der Mitte nicht so tief wie hier, dann ankere ich viel lieber frei schwojend (also mit dem Wind drehend). Gut, sobald ich den Blogeintrag fertig habe, werde ich den Motor wieder ausschalten. So haben wir wenigstens die Batterien geladen ;-) Ach und dann ist noch einer von der Luxusmotoryacht gegenueber mit einem selbst angetriebenen Wakeboard oder so aehnlich an uns vorbei gesaust. Eigentlich sah das ziemlich cool aus ... {{ :blog:2012-07-31:img_1919.jpg?300 |}} Jetzt zu den Ereignissen vor meinem "Wachruettler"... Auch heute morgen haben die Jungs der Waschmaschine einmal beim waschen zusehen duerfen: {{ :blog:2012-07-31:dsc_4413.jpg?300 |}} Heute morgen sind wir nach dem Fruehstueck auf dem Weg in die Stadt Levkas noch schnell beim "Ship Chandler" in der Marina vorbei und ich habe versucht Ersatz fuer den kleinen verloren gegangenen Stift mit Sicherungshaekchen (eigentlich sollte der gar nicht verloren gehen koennen) fuer die StB achtere (rechts hinten) Stuetze des Bimini-Top (unserer "Markise") zu finden. Leider hat er genau die passende Groesse nicht mehr gehabt, so dass ich jetzt eine Schraube mit selbstsichernder Mutter durchgesteckt habe. Haelt auf jeden Fall mindestens genauso gut, aber laesst sich halt im Herbst nicht so leicht demontieren. Auch kein Problem... Kurz vor dem Marinaausgang habe ich noch dieses genial plakative Schild auf einem Gruenstreifen gesehen: {{ :blog:2012-07-31:img_1911.jpg?300 |}} Auf dem Weg in die Stadt haben wir noch nach einem Metzger gesucht, der an der Strasse vor der Marina sein sollte. Den haben wir jedoch nicht gefunden. Dafuer gab es aber fuer Luis Schuhe. Unser kleiner Rambo hat naemlich so dicke Fuesse (vor allem mit extrem hohem Rist), dass ihm keine der Schuhe passen die mal Anna und Lara am Anfang getragen haben (alles so Turnschuhaehnliche Schuhe, die ich aus Amerika mit gebracht habe). Einzig in die Mini-Croqs passt er rein. (Bei Luca passen fast alle Schuhe ohne Probleme.) Hier geht das ja mit den Croqs, aber fuer Muenchen in drei Wochen brauchen wir ja evtl. etwas waermeres... Luca war aber ziemlich erzuernt, dass er keine Schuhe bekommen hat und Luis hat einen im Wagen sitzend gleich ausgezogen und ich habe es gerade noch gemerkt, dass der neue Schuh auf dem Boden lag. So war wohl kurzfristig keiner der beiden richtig zufrieden ;-) Wir sind dann noch in dem gleichen Restaurant wie vor drei Jahren mit Bruce, Tina, Armen Jessi, Sven und Patrick am ersten Abend essen gegangen. Direkt am Hauptplatz. Und es war wieder sehr gut. Auf dem Rueckweg durch die engen Gassen habe ich im Vorbeigehen einer alten Dame die gerade runtergefallene Waescheklammer aufgehoben und in die Hand gedrueckt. Sie hat irgendetwas gesagt, was ich als "Danke" interpretiert habe und ich habe "Bitte" gemurmelt und bin weitergegangen mit Luis im Buggy. Ich war dann schon fast um die Ecke als sie offensichtlich der Iris ein Buendel Minzblaetter in die Hand gedrueckt hat aus einem ihrer Toepfchen, als Dankeschoen. Die Maedels (alle drei) waren dann noch kurz am Spielplatz, waehrend ich tonttu mit den Jungs (sie haben mich aus den Kinderautositzen beim Buggy und Roller in die Segellast schleppen und Stromkabel aufraeumen angefeuert) startklar gemacht habe. Kurz vor 2 (um 14:00 Uhr muss man weg sein) sind wir dann aus der Marina raus in den Levkas Kanal nach Sueden gefahren. Das flachste was ich gemessen habe war 3.2 m Wassertiefe, aber meistens waren es 4 bis 6 Meter. Also ist "Levkas-MAX" neu definiert mit tonttu. (Das war ein Insider fuer Jessi, Sven, Patrick, Tina, Bruce und Armen von vor drei Jahren.) Anna und Lara haben sich aus Papier "Kostueme" gebastelt. Lara ist eine Prinzessin (hauptsaechlich von Anna gebastelt mit der Idee, dass Lara es dann ausmalt; die wollte dann aber nicht) und Anna ist ein Ritter mit Ruestung. Unser Druckerpapier ist aber jetzt deutlich weniger geworden... {{ :blog:2012-07-31:dsc_4416.jpg?300 |}} {{ :blog:2012-07-31:img_1912.jpg?300 |}} Suedlich vom Kanal ging es dann recht unspekatkulaer unter Motor mit kurzen Segelversuchen weiter. Und nach etwas ueber einer Stunde waren wir dann kurz vor 4 in der Bucht von Ambelike, und jetzt geht es wieder oben weiter ...