Ein Sommer mit "tonttu"

Tag 87 (27.7.2012)

Es lohnt sich mal abseits der ueblichen Segeltouristenpfade unterwegs zu sein! Heute sind wir von Preveza aus nicht wie alle anderen nach Sueden, in Richtung Levkas gefahren, sondern nach Osten in den Ambrakischen Golf hinein.

Aber begonnen hat der Tag mal wieder mit gebrabbele und gequaeke aus dem Jungszimmer. Die beiden haben sich mal wieder auf die seitliche Ablage hochgeschwungen und fanden das super! Seit meiner kleinen Bastelaktion (siehe links oben im Bild) kommen sie wenigstens nicht mehr weiter nach oben auf den Kleiderschrank…

Danach habe ich Brot und Croissants geholt und war bei der Post Briefmarken kaufen und einen Brief aufgeben. Nach dem Fruehstueck haben wir den Generator nochmal angeworfen und zwei Waschmaschinen laufen lassen. Parallel dazu habe ich den Wassertank gefuellt und die drei Maedels waren schraeg gegenueber auf der Promenade auf elektrischen Schaukelpferden und Wackelautos unterwegs. Anna und Lara wollten das unbedingt und haben es auch brav von ihrem eigenen Taschengeld bezahlt.

Danach sind wir losgefahren in den Ambrakischen Golf und konnten gleich nach dem ersten Knick den Code0 setzen und sind bei 7 bis 11 Knoten Wind mit 3.5 bis 5.2 kn Fahrt auf Raumschotkursen gekreuzt. Dabei habe ich mal ausprobiert ob es bei den Windstaerken noch geht das Schothorn (die hintere untere Spitze, an der die Schoten festgemacht sind) vom Code0 beim shiften (wenn er auf die andere Seite muss bei einer Drehung vor dem Wind, also einer Halse) von Hand vor zum Bug zu ziehen und vor dem Vorstag (mit der aufgewickelten Fock) auf die andere Seite zu ziehen anstatt ihn einrollen zu muessen und auf der anderen Seite wieder auszurollen. Und es ging ziemlich gut! Wieder was gelernt. Allerdings muss bei 10 kn Iris hinten an der „alten“ Schot schon aufpassen, dass sie nicht zu schnell fiert, sonst koennte es passieren, dass ich fliegen gehe, wenn ich nicht schnell genug loslassen wuerde ;-)

Der Code0 gegen die Sonne:

Und hier nochmal der untere und der obere Teil getrennt voneinander, da er ja ganz nicht aufs Bild geht aus dem Cockpit heraus :-)

So sind wir also immer tiefer in den Golf reingesegelt und haben suedlich der Flussmuendungen am Nordufer in recht flachem Wasser lustige Inselformationen gesehen…

… und dann spaeter vor den in der Karte eingezeichneten Sandbaenken neben einer Flussmuendung, die wir aber leider nicht gefunden haben (da wollten wir ankern und baden gehen), gab es sogar eine Gruppe von ungefaehr 7 bis 8 Delphinen mit einem Baby, die immer wieder ums Boot herum und auch drunter durch geschwommen sind.

Wir haben uns dann entschieden in die „vorletzte“ der suedlichen grossen Buchten zu fahren und dort in die Bucht „Ormos Poliomylou“ zum ankern fuer die nacht zu gehen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn erstens liegt man dort sehr ruhig (es wurden dann inzwischen doch 17 bis 18 kn aus westlicher Richtung) auf 5m Wassertiefe mit Sand-/Schlick-Grund und zweitens gibt es dort eine kleine Strandbar, die wir, der zweite Segler der hier geankert hat und die 5 bis 6 Wohnmobilbesitzer, die hier „wild“ campen frequentieren konnten.

Ich bin also erst mal nur mit den Maedels mit dem Dinghi zum Strand gefahren. Luca und Luis haben noch ein wenig geschlafen… Wir haben eine Runde gebadet und dann zwei Fanta und eine Cola getrunken und sind dabei mit dem „Wirt“ ins Gespraech gekommen. Es stellte sich heraus, dass er die ersten 13 Jahre seines Lebens in Muenchen gelebt hat, da sein Vater dort 4 griechische Restaurants hatte. Eines davon in der Pariser Strasse und eines in der Rosenheimer ;-)

Er hat uns dann gleich noch eine Honigmelone aus seinem eigenen Garten eingepackt und sich geweigert fuer unsere Getraenke Geld zu nehmen. Das wollte ich auch nicht und wir haben uns auf einen „symbolischen Euro“ geeinigt. Nur hatte ich ausser ein paar Kupfermuenzen und zwei zwanziger Scheinen nichts in der Bordkasse. Also hat er kurzer Hand aus dem symbolischen Eure einen symbolischen Cent gemacht ;-) Inzwischen hat mir einer der deutschen Wohnmobilbesitzer (aus dem Norden von Deutschland, aber seine Tochter lebt in der Naehe von Starnberg) erzaehlt, dass Pedros (so heisst der Hobby-Wirt) Freitag Abend immer Souvlaki macht. Also habe ich gefragt, ob wir auch bei Ihm essen koennen und wir haben vereinbart um 20 Uhr zum Essen zu kommen. Frueher geht nicht, sagte Pedros, da er das Fleisch erst um kurz nach 6 Uhr frisch bekommt.

Pedros hat eigentlich einige Baufahrzeuge und Bagger und 6 Angestellte und hat die Strandbar vor ein paar Jahren ersteigert (vielleicht ist einer seiner Kunden pleite gegangen) und betreibt sie jetzt nicht zum Geld verdienen sondern als Hobby und weil er so gerne kocht.

Wir sind also dann um kurz nach 18:00 Uhr wieder mit dem Dinghi und diesmal zu sechst zurueck zum Strand gefahren, waren ein wenig schwimmen, haben den Buben ihren Brei gegeben und uns mit der Stranddusche frisch gemacht (laut Pedros wird die von der Quelle gespeist, die auch als Mineralwasser abgefuellt wird und von der ich gestern zwei six packs im Supermarkt in Preveza gekauft habe; also nach Chlor schmeckte sie zumindest nicht und das Leitungswasser ist hier in Griechenland sonst immer gechlort) und sind dann zum Essen gegangen.

Anna und Lara beim Wasserkanonenkugelspielen:

Die Jungs sind zur Freude aller anderen Gaeste erst mal wie die wilden durch die Strandbar gefegt (wobei Luca immer wieder einen seiner Croqs verloren hat und dann irgenwann schon freiwillig den Fuss hochgestreckt hat, damit ich ihn wieder anziehen konnte) und Anna und Lara haben zu der griechisch-tuerkischen Musik aus den Boxen getanzt.

Dann kam das hervorragende Souvlaki (Fleischspiesse, bei uns meist eher als Schaschlik aus der tuerkischen Kueche bekannt) mit selbst gemachten „Chips“ (dicke Kartoffelscheiben leicht frittiert aber dann mit wunderbarem Kraeutermeersalz veredelt) und Tomaten-Zwiebel-Salat. Sorry Oma, jetzt habe ich doch wieder vom Essen geschrieben ;-) ;-)

Luis hat dann aber mitten waehrend des Essens schlapp gemacht und ist in seinem Stoff-Ueberstuelp-Kindersitz eingeschlafen. Darauf habe ich Iris vorgeschlagen ihn mitsamt dem Stuhl schraeg an den zwei Stufen hoeheren Terassenboden zu lehnen. So hat er dann wunderbar 15min geschlafen und dann sind wir sowieso wieder zu tonttu zurueck gefahren.

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