Ein Sommer mit "tonttu"

Tag 41, 8.8.2013

Nachdem ja gestern durch mehrere Ärzte bestätigt wurde, dass wir wieder reisefertig sind, haben wir heute nach dem gemütlichen Frühstück Sibenik verlassen und sind gegen halb 11 aus dem Sibenik-Kanal (der Mündung der Krka) ausgefahren und haben den Bug gen Norden gewendet.

Oh, war das poetisch ;-)

Dort im Kanal gibt es jedoch einige alte Militäranlagen. In Kroatien ist wohl gerade eine Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ am laufen, denn die Bunkeranlage ist jetzt plözlich ein Strandbad geworden:

Wir wollen ja in den nächsten Tagen nach Zadar, da wir dort das eine Doppelkissen umtauschen wollen, welches ich in Sibenik bestellt habe. Das hat nämlich Abdrücke eines Computerausdrucks auf der einen Seite. Der Marine Shop Händler in Sibenik hat es auch mit mehreren verschiedenen Reinigungsmitteln nicht wegbekommen letzten Samstag und mir dann angeboten, dass er ein neues nach Zadar zur dortigen Filiale bestellt und wir es dort ab Mittwoch (also gestern) abholen können.

Da wir ja jetzt nochmal in Sibenik waren (ungeplant), habe ich nochmal in Zadar anrufen lassen, dass wir erst nächste Woche vorbei kommen.

Laut Wetterbericht werden wir aber in der Nacht von morgen auf übermorgen etwas kräftigeren Nord- bis Nordost-Wind bekommen. Das dann bis Sonntag Abend. Wir planen deshalb evtl. in die Marina Kornati nach Biograd zu gehen für die zwei Nächte. Das wird ja ab September unsere Heimatmarina und dort steht auch schon unser Bus. So können wir dann Landausflüge (evtl. auch nach Zadar) machen.

So haben wir also einen kleinen Umweg gemacht und sind an Vodice vorbei gefahren um es uns zumindest aus der Ferne anzusehen. Danach sind wir auf der Westseite von Murter entlang und wollten dort eigentlich in eine der zahlreichen Buchten. Allerdings waren die alle schon einigermassen voll und vor allem an den Ufern total bebaut und am Wasser meistens mit Stränden von Campingplätzen und Hotels ziemlich überfüllt.

Anna und Lara zeigen die neueste Bademode und Accessoires:

Schlussendlich sind wir weiter gefahren bis Arta Mala. Das ist eine der kleinen Inseln in der nördlichen Verlängerung von Murter. Dort gibt es eine Südbucht, die laut meinem Hafenhandbuch sehr schön und auch gut frequentiert ist. Zum Glück war dem nichts so. Es lagen nur ein paar Motorboote nahe an der Felsküste und so konnten wir uns mitten rein legen mit 45 m Kette auf 8.5 m Wassertiefe.

Inzwischen sind die meisten Motorboote gegangen. Leider ist dann noch ein Chartersegler mit deutscher Besatzung rein gekommen. Die haben wohl auch den Kurs „Ankern schnell gemacht“ besucht, nicht „Ankern richtig gemacht“. Auf jeden Fall war es wieder mal ein klassisches Beispiel wie man es nicht machen sollte: Mann fährt erst wilde Kreise und legt dann den Rückwärtsgang ein. Dann rennt er nach vorne an den Bug (wo übrigens der ca. 14-jährige Sohn liegt und liest; also nicht hilft) während Frau ans Steuer geht und dieses einfach nur festhält, also nicht steuert. Vorne angekommen macht Mann erst mal gemütlich den Ankerkastendeckel auf. Man erinnere sich, das Schiff fährt von dem eigentlich geplanten Ankerfallenlasspunkt fröhlich weiter achteraus (= rückwärts). Dann irgendwann hat Mann die Kabelfernbedienung des Ankers gefunden und lässt ihn erst mal vorsichtig bis auf die Wasseroberfläche runter. Das ist ja richtig so, hätte nur vor dem ganzen Manöver geschehen sollen. Dann geht der Anker endlich weiter runter und ist dann ca. 8m tiefer endlich auf dem Grund. Zwischendurch hat Mann Frau aufgefordert aufzustoppen und den Gang rauszunehmen. Wieso? Keine Ahnung… Jedenfalls wird damit erreicht, dass die weitere Kette, die runtergelassen wird nachdem der Anker auf Grund ist (ca. 15 weitere Meter) fein säuberlich auf einem Haufen aufgeschichtet wird. Dann stoppt Mann die Ankerwinsch, schaut nochmal kurz in die Runde (Will er Beifall? Dafür sicher nicht!) und bedeutet Frau dann den Motor abzuschalten.

So, und das wäre die richtige Version: Mark fährt erst mal die ganze Bucht auf der 5-Meter Wasserlinie aussen herum ab. Damit hat er eine Klare Grenzlinie auf dem Chartplotter als Track hinterlegt die er beim Schwojen nicht überschreiten will. (Wenn die Bucht grösser wäre würde Mark natürlich nur den ungefähren Ankerpunkt grosszügig umfahren.) Danach fragt Mark ob Iris am Anker bereit ist. Iris sagt ja, denn sie hat inzwischen schon die Fernbedienung in der Hand und den Anker bis kurz über die Wasseroberfläche heruntergelassen. Jetzt fährt Mark gegen den Wind (auch wenn es noch so wenig ist) soweit wieder aus der Bucht heraus (bzw. von seinem geplanten Endpunkt weg), dass genügend Kette für die Wassertiefe ausgelegt werden kann. Immer mindestens die 5-fache Wassertiefe, wenn es flacher ist (also unter 6m) gerne auch mal etwas mehr. Dann stoppt Mark auf und geht in den Rückwärtsgang. Gleichzeitig (wir haben ja 8.5m Wassertiefe, es dauert also eh' eine Weile bis der Anker auf dem Grund ankommt) sagt er Iris, dass sie den Anker fallen lassen kann. Das heisst unter Seglern „herunterlassen“. Also Iris kurz stoppt um nach hinten „20m“ rufen zu können (das ist die Menge an Kette die zu diesem Augenblick rausgelassen ist), sagt Mark zu Iris „bitte 45m Kette“ und Iris lässt die Winsch weiter runterlaufen. Dabei fährt Mark bzw. tonttu immer weiter langsam rückwärts. Je nach Windstärke mit Motorkraft oder ohne. Als Iris bei 45m angekommen ist und das nach hinten meldet sagt Mark „dicht kommen lassen und testen“. Das bedeutet im eingespielten „Team Rosa“, dass Mark weiter langsam nach hinten fährt, bis die Kette sich spannt und damit der Anker wohl schon anfängt sich einzugraben. Iris steigt dann nach vorne auf das Bugspriet, setzt den Fuss leicht auf die Ankerkette ausserhalb vom Schiff und prüft ob diese „ruckelt“. Das tut sie, wenn der Anker rutscht und die Kette immer wieder neu auf Spannung kommt. Wenn das nicht passiert meldet sie das mit einem Nicken und Mark gibt mehr Rückwärtsgas und sagt „ich gebe mehr Gas“ (so auf ca. 1500 Umdrehungen, das wären sonst knapp 5kn). Wenn Iris dann immer noch meldet, dass der Anker nicht rutscht und Mark durch Seitenpeilung (zur Seite an Land einen Ort über eine markante Stelle auf dem Schiff beobachten, ob sie sich verschiebt) zum gleichen Ergebnis kommt, dann nimmt Mark den Gang raus und sagt Iris, dass sie den Ruckdämpfer anbringen kann. Dabei lässt Iris dann notgedrungen nochmal ca. 3m Kette raus, damit der Anker nicht mit der Kette an der Winsch hängt sondern mit dehnbaren Leinen an den beiden Vorschiffklampen. Wenn das alles erledigt ist, dann schaltet Mark den Motor aus.

Irgendwie anders, oder? Was mich jetzt an der aktuellen Situation stört, ist dass der Wind heute evtl. nachts noch auf NW dreht und wir dann in Richtung deren Anker drehen. Mal sehen, wieviel Kette sie dann wirklich draussen haben.

Wir waren heute Nachmittag auf jeden Fall schön schwimmen und über die Felsen wandern und die Jungs haben in der Badewanne geplanscht und mit ihren neuen Pützen (so kleine schaufelartige Eimer oder eimerartige Schaufeln aus Weichplastik, die ich ihnen im Marine Shop in Sibenik gekauft habe) rumgespritzt.

Die „ARGE Wannenbefüllung“ bei der Arbeit:

Auf einem der Motorboote hatten sie auch noch einen JetSki im Schlepptau. Ich wusste gar nicht, dass man damit auch Wasserski fahren kann. Tatsächlich, es geht:

Danach habe ich ein Gemüsecurry gekocht und zum Nachtisch gab es Vanillepudding, den Iris heute Nachmittag gemacht hat.

Gerade hat sich Luca, nachdem er mit Luis wieder im Bett herumgealbert hat statt einzuschlafen, die Birne (also nicht das Obst, sondern den Hinterkopf) an der kleinen Ablage neben ihrer Matratze angehauen. Das gibt eine schöne Beule morgen! Aber zu Hause passieren ja die gleichen Dinge, nur hier unterwegs macht man sich irgendwie immer mehr Sorgen…

Hier in der Bucht ist jetzt alles wunderbar ruhig, nur die Möwen lachen sich einen Ast. Keine Ahnung was die so lustig finden!

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