Tag 66 (6.7.2012)
Zuerst mal ein Nachtrag: Ich habe gestern ganz vergessen zu erwaehnen, dass wir die 1000 sm (in Worten: eintausend Seemeilen) hinter uns gebracht haben auf diesem Toern!
Heute wurde es auch wieder mehr als urspruenglich geplant. Damit wir noch genug Zeit in der Bucht Grames haben, die wir erreichen wollten, sind wir schon um kurz nach 7 Uhr abgefahren (da war auch wieder kurz vorher Hochwasser, so dass ich mir keine Sorgen mit der Tiefe der Ausfahrt machen musste ) und haben unterwegs gefruehstueckt.
So waren wir um halb neun schon an der Nordspitze der Halbinsel, die die Bucht von Vlore bildet und konnten wieder auf Suedkurs drehen. Wind hat es natuerlich mal wieder keinen gehabt, also haben wir uns erfolgreich als Motorboot getarnt und sind durchgedieselt.
Die Steilkueste im Morgendunst:
Ueberall Bunker, bis hin zu den beruehmten 1-Personen-Bunkern, die Hoxha Anfang der 70er hat bauen lassen, aus Angst vor einem Angriff aus Italien bzw. durch die NATO:
Die besagte Halbinsel ist auf der Westseite nochmal viel spektakulaerer als auf der Ostseite. Sehr steil und recht hoch, mit tief einschneidenden Kars oder gezackten Taelern, die bis zum Wasser runter reichen und dort manchmal in einem winzigen Kiesstrand enden. Wir haben uns auf dem Weg nach Grames eine solche Bucht mal naeher angesehen. Die war recht gross aber auch dort wurde es erst ganz kurz vor dem Kiesstrand flacher (unter 20m), so dass an ankern dort nicht zu denken war.
Luca macht ZDF-Werbung:
Wir sind also weiter bis zur Grames Bay, von der wir uns am Vorabend dank Google Earth und Panoramio Photos schon ein gutes Bild gemacht haben. Sie ist super, super schoen, aber auch leider zu klein fuer unser Schiff. Mit einer grossen Crew haette ich vielleicht ankern koennen: Zwei Leute mit dem Dinghi und dem Heckanker mit langer Landleine vorausgeschickt um den Heckanker im Strand einzugraben und mit der Leine entgegen zu kommen. Gleichzeitig ein normales Ankermanoever mit dem Buganker fahren und dabei mit dem Heck vor dem Strand enden und die Leine des Heckankers uebernehmen. Aber so gut ist Anna leider noch nicht mit dem Dinghi Und fuer eine normale Landleine gab es einfach keine Festmachpunkte an Land, die ich schnell genug, schwimmend haette erreichen koennen, waehrend Iris das Schiff mit Motor und Bug-/Heckstrahlruder haette auf der Stelle halten muessen. Einfach alles ein wenig zu riskant.
Die Traumbucht…
Eine der trockenen Flussbette aus den Bergen, die in der Gegend von Dhermi und Hirande die grossen langen Sandstraende erzeugt haben:
Wir haben also Plan B genommen und sind weiter nach Porto Palermos, einer Bucht mit einer Militaeranlage im Norden (ein total verrueckter, ca. eine halbe Meile langer U-Boot-Bunker-Tunnel aus der Bucht raus auf die Aussenseite der Halbinsel; darin haben die Albaner die 5 U-Boote versteckt, die sie nach dem „Austritt“ aus dem Ostblock nicht zurueck geben wollten; gebaut haben den Tunnel angeblich die Chinesen fuer die Albaner) und einer T-foermigen Pier im Osten hinter der kleinen Halbinsel mit der Festung von Ali Pascha drauf. Also auch kein schlechter Platz, aber wir wollten ja eigentlich erst morgen hier her kommen.
Wir haben uns also in der Nordbucht einen schoenen Ankerplatz gesucht (da war sonst niemand ausser ein paar Einheimischen mit einem kleinen Kutter) und den Anker auf 8-9 Meter geschmissen. So ca. 15min nachdem wir damit fertig waren, kam ein Soldat auf den Hang gestiegen und hat uns sehr unfreundlich (durch pfeifen und schimpfen) zu verstehen gegeben, dass wir hier nicht erwuenscht sein und gefaelligst zu gehen haben. Als ob wir hier militaerische Geheimnisse ausspionieren wuerden
Aber es blieb uns nichts anderes uebrig als uns zu verziehen und doch an die T-Pier bei der Festung zu gehen. Die war recht hoch, aber wir haben es doch geschafft und liegen jetzt laengsseits mit Vor-, Achterleine und zwei Springs. Ich bin dann mit Anna und Lara rueber an den Strand gerudert und wir konnten dort sogar etwas zu trinken kaufen. Da war eine kleine Bruchbude, die eigentlich von aussen gar nicht einladend wirkte neben der aber ein laufender Generator stand, und davor waren ein paar Sonnenschirme und Stuehle an hoelzernen Kabeltrommeln als Tische. Ich bin also mit den Maedels rein und total ueberrascht worden. Drinnen stand eine „Vintage“ Bar aus Holz mit Chromzierleisten. Darauf eine wunderschoene alte Espressomaschine und daneben ein moderner Getraenkekuehlschrank mit Glasfront, voll bestueckt. Die schaffen es hier echt aus nichts etwas zu machen …
Die Festung von Ali Pascha (oder auch Ali Bey genannt) aus dem spaeten 18. Jahrhundert:
Die Nordseite des mehrere hundert Meter langen U-Boot Tunnels:
Wir haben dann noch ein paar Lemon Soda mit aufs Schiff genommen fuer unser Abendessen (gegrillte Wuerstel aus Montenegro; leider nicht so gut wie die aus Kroatien).
Gerade kam nach dem italienischen Segler (es gibt also doch noch andere Segler hier ) noch ein kleiner Fischtrawler an, der seinen Garnelenfang ausgeladen hat. Leider haben die dabei dann auch noch saemtlichen Muell (Plastikflaschen etc.) einfach ueber Bord geworfen. Das Verstaendnis fuer die Umwelt ist hier einfach noch ueberhaupt nicht vorhanden ;-(
Comments
Die Quallenschwellung ist inzwischen zurueck gegangen. Aber dafuer gibt es genau da wo die Nesseln an die Haut gekommen sind fiese rote Striemen. Aber auch das wird nachlassen. Sie sitzt halt im Moment etwas ungern auf dem Oberschenkel.
Aber zumindest hat sie keine generelle Angst vor dem Meer bekommen. Das hat mich sehr beruhigt…
Hallo liebe Rosas, Albanien klingt ja wirklich spannend, da gibts jede Menge zu entdecken. Was wurde denn aus Laras Quallen-Entdeckung? Wir hoffen es geht ihr schon wieder besser - hat schon nach weh-tun ausgeschaut. Liebe Grüße aus München, wos blitzt und donnert und schüttet und sogar die Flugsicherung komplett ausgefallen ist am Flughafen (aber das hat wohl andere Gründe) von Irene (die heute egtl nach Köln fliegen wollte) und Martin