Soo ein langer Tag!
Tja, heute habe ich wirklich etwas getan für's Geld. Ach so, wer bezahlt mich eigentlich dafür
Eigentlich war der Wecker ja auf 02:45 gestellt, da ich um 03:00 auslaufen wollte. Aber irgendwie bin ich schon um 02:00 wach gewesen und da ich nicht mehr einschlafen konnte habe ich mich entschlossen früher los zu fahren.
Ich habe kurz alles vorbereitet und per Funk die Marina angerufen und um Hilfe gebeten. Es ist einfacher, wenn ein zweiter vorne (in diesem Fall vom seinem Marina-Dinghi aus) die Leine löst. Und um 02:35 habe ich dann abgelegt.
Es war schön hell wegen des fast vollen Monds und es hatte zwischen 8 und 10 kn Wind. Eine leichte Brise also.
Der Mond über Korfu:
Bis um die Ecke rum von Corfu habe ich ungefähr zwei Stunden gebraucht und bin von Fähren und Frachtern umschwirrt worden. Ich hatte meinen Weg allerdings sowieso so geplant, dass ich mit denen nicht in die Quere komme. War aber trotzdem beeindruckend in der Nacht. Das AIS hilft da viel dabei. Man erkennt viel schneller ob man sich mit einem der grossen Pötte kreuzt oder ob er vor bzw. hinter einem durchkommt.
Noch ein ganz schönes Stück zu fahren (98nm):
Sonnenaufgang über Albanien (bald zumindest):
Kurz vor 5 ging dann die Sonne langsam auf, bzw. es wurde erst mal heller hinter den Bergen/Hügeln von Albanien. Leider kam kurz nach Sonnenaufgang auch Wind auf und es gab noch eine hohe alte Dünung aus Nordwesten. Die sollte ich später noch länger geniessen dürfen. Als ich ungefähr auf der Linie zwischen Porto Palermo (eine Bucht an der albanischen Küste, die ich noch von letztem Jahr kannte) und Erikoussa (eine mir unbekannte griechsische Insel südlich von der ich jedoch hätte ankern können) habe ich mir überlegt ob ich das ganze abbreche. Inzwischen war der Wind 18 bis 22 kn stark und kam genau von vorne.
Aber ich dachte mir, ich fahre jetzt mal noch eine Stunde weiter (umdrehen und nach Erikoussa oder Porto Palermo ablaufen geht ja dann immer) und schaue, ob der Wind eine Stunde nach Sonnenaufgang wieder nachlässt.
Ein paar Bilder von unterwegs, meist jedoch wenn mal wenig Wind/Wellen war, sonst war ich beschäftigt:
So war es auch und ich bin bei 12 bis 15 kn Wind gegenan weitergefahren.
Stunden später (so gegen 11 Uhr) war ich ungefähr 2.5 Stunden entfernt von der Insel Sazane, die vor Vlore liegt. Und da wurde der Wind wieder stärker (18kn und darüber) und die Welle auch deutlich mehr. tonttu hat sehr stark gestampft und ich bin zeitweise nicht mehr mit 7kn (bei glattem Meer) sondern nur noch mit 4.5 kn vorwärts gekommen. Also habe ich meinen Agenten von Durres per SMS gefragt, ob er mir einen lokalen Wetterbericht für den Nachmittag zwischen Vlore und Durres schicken kann und ob er in Vlore einen Agenten empfehlen kann, falls ich dort schon stoppe.
Sazane vor Vlore:
Er hat berichtet, dass der Wind am Nachmittag nachlassen soll. Falls ich aber nicht weiter will, würde er empfehlen einfach im Schutz der Insel Sazane Schutz zu suchen und morgen früh weiter zu fahren. Da sollte der Wind ganz nachgelassen haben. Mein Wetterbericht hatte das eigentlich schon für heute angekündigt gehabt
Ich fragte dann noch kurz zurück ob das mit Sazane wirklich geht, da es ja militärisches Sperrgebiet ist. Da sitzen Italiener und Nato-Mandat und kontrollieren die albanische Küste und den Eingang zur Adria (wegen Flüchtlingen hauptsächlich). Er meinte, das wäre kein Problem, ich sollte einfach per Funk anfragen erklären dass ich alleine segele und wegen des Wetters abwarten will bis morgen früh.
Ok, somit hatte ich eine weitere Abbruchoption ausser den (nicht empfohlenen) Hafen von Vlore.
Aber pünktlich kurz vor Sazane (so kurz vor 14:00 Uhr) hat der Wind wieder nachgelassen und es waren zwischen 9 und 13kn und die Wellen kamen mir auch ein wenig ruhiger vor. Zumindest klatschte tonttu nicht mehr so rein und es gab auch weniger sich brechende Wellen. Also habe ich mich entschieden weiter zu fahren.
Die nächsten zwei Stunden waren recht ereignislos (eigentlich war ja abgesehen von Wind und Wellen die ganze Fahrt nicht wirklich spannend … ) aber genau dann, als ich mir sagte „super, jetzt geht es so durch bis Durres“ (immerhin noch weitere 8 Stunden), da hat der Wind wieder zugelegt auf 18kn und die Wellen haben sich auch nochmal bemüht. Das (noch) unangenehmere war jetzt, dass ich nicht mehr wie vorher mit 15 bis 20 Grad Winkel zu den Wellen unterwegs war sondern mit 50-60 Grad. Und dann fängt auch so ein grosses Schiff wie tonttu an wie ein Korken auf den Wellen zu tanzen. An lesen war jetzt gar nicht mehr zu denken (mein Elefantenmagen hat sich zum Glück nicht gemeldet, aber ich musste mich halt schön in die Ecke vom Cockpit hinter dem Steuerbord-Rad einklemmen und festhalten; ein paar blaue Flecken habe ich jetzt am Rücken vom Heckkorb und Aussenborderschloss).
Durres in Sicht (wenn man genau hinschaut; es sind noch über 2 Stunden):
Tja, und so ging es dann bis 20:30 Uhr weiter. Der Wind hat zwar wieder auf 15kn nachgelassen aber die Wellen blieben (und der Winkel zu den Wellen wurde wegen einer notwendigen Kurskorrektur nochmal um 10 Grad schlechter).
Ich habe brav alle 2 Stunden meinem Schatz per SMS berichtet wo ich bin und wie es tonttu und mir geht. Und sie hat mit immer wieder abwechselnd Mut zum durchhalten zugesprochen oder gesagt ich soll doch abbrechen und morgen weiter machen Aber ich wusste es ja auch nicht besser. Gefährlich war es ja nie, aber halt unangenehm.
Dann ging auch mal eine Stunde lang das SMS schicken nicht mehr: Plötzlich ging keine SMS mehr durch und ich konnte auch nicht anrufen, obwohl ich recht guten Empfang hatte. Ich dachte schon dass ich irgendein Auslandslimit überschritten hatte und blockiert worden bin. Aber dann klappte es plötzlich wieder. War auch wichtig, denn ich musste ja nicht nur mit Iris Kontakt halten sondern auch dem Agenten meine ETA (= estimated time of arrival) mitteilen und mir von ihm sagen lassen wo ich im Hafen hin soll.
Kurz vor dem Hafen ist dann dummerweise schon die Sonne untergegangen. Bei Tageslicht wäre es einfacher gewesen. Ich bin dann noch von der Hafenbehörde (freundlich aber bestimmt) aus dem Einfahrtskanal (mit Leuchttonnen links und rechts) gejagt worden. Da kam nämlich ein grosser Containerfrachter raus. War schon besser so
Im Hafen war dann alles schön ruhig und weniger Wind, wie erwartet. So dass ich da erst mal tonttu kurz treiben liess um Fender und Leinen vorzubereiten und Bug-/Heckstrahlruder auszufahren. Da habe ich eine böse Überraschung erlebt: Das Bugstrahlruder meldete sich überhaupt nicht mehr (damit hatte ich ja fast schon gerechnet; das kam schon ein paarmal vor, dass es sich verklemmt hatte nach so häftigen Schlägen mit dem Bug ins Wasser) und das Heckstrahlruder ging sofort als es ausgefahren war auf Vollschub rechts. Zum Glück war ich mitten im Hafen und konnte schnell runter und einfach die Sicherung raus machen. Als ich sie wieder eingeschaltet habe ging das Bugstrahlruder leider immer noch nicht, aber das Heckstrahlruder schon.
Ich habe dann aber doch komplett ohne Hilfsmittel angelegt. So ganz traute ich der Sache nicht. Nicht, dass das einfach mitten während des Manövers unkontrolliert losschiebt.
Captain Llambi Papa (mein Agent, bekannt noch aus dem letzten Jahr) hat mir beim anlegen geholfen. Direkt neben ein paar alten, riesigen Entladekränen zwischen den Pilot-Boats und einem Schlepper zusammen mit einem anderen Segler (halb so gross aber dreimal so viele Leute drauf und deutlich schlechteres/hektischeres Anlegemanöver; ich war stolz auf mich nach dem langen Tag).
Und danach haben wir bei zwei Glas warmem Apfelsaft (die untere Kühlschrankschublade ging nicht auf wegen einer eingeklemmten Wasserflasche und den guten Gin konnte ich Llambi als Moslem ja wohl schlecht anbieten) die vielen Formulare (5 verschiedene) für das einklarieren ausgefüllt.
Er wird morgen (Donnerstag) dafür sorgen dass ich „embarke“ also vom Schiff (tonttu), das „in Transit“ ist offiziell ins Land einreise. Denn erst dann kann ich am Freitag auch ohne Strafe für illegales bzw. undeklariertes Einreisen auch mit dem Flieger nach München fliegen. Das wäre bei uns auch nicht anders, fällt dem normalen Menschen einfach nicht auf Dann hole ich Iris und die Kinder ab und fliege am Samstag wieder mit ihnen zurück nach Tirana (dort ist der Flughafen, ca. 35 min mit dem Auto). Llambi organisiert einen Bekannten, der für den Preis wie zwei Taxifahrten erst mich am Freitag zum Flughafen und dann uns alle am Samstag wieder zurück fährt. Mit einem Mercedes G. Das sind zwar zwei Sitze zu wenig, aber was soll man machen … Mit Kindersitzen haben die es hier noch nicht so!
Danach bin ich noch kurz zur Uferpromenade zu den Kinderbelustigungsanlagen (lauter knatschbunte Eisenbahnen, Miniriesenräder und andere Sachen zum Geldausgeben; von der Optik her sehr ähnlich wie damals bei Mikas Taufe in Litauen an der Promenade von Palanga) und habe in der Nähe bei einem open air Restaurant eine recht ordentliche Pizza mit Prosciutto Crudo, Rucola und Parmesan gegessen. Mit einer 0,25 Coke zusammen waren das 800 LEK, also umgerechnet 5,59 €.
Und jetzt sitze ich zum frühstücken in dem Café „New Amsterdam“ in dem wir schon letztes Jahr wunderbare frischgepresste Säfte, Croissants und Cappucchino genossen haben (und Internet haben die auch). Heute: Ein Cappucchino, ein Schoko-Croissant und 0,3 frisch gepresster O-Saft zusammen 3,15 € (wobei das Croissant und der Kaffee jeweils nur 0.70 € gekostet haben).