Ein Sommer mit "tonttu"

25.8.2016, Cavtat [HR]

Heute ist es soweit, nachdem der Wind nachgelassen hat, haben wir die Fahrt von Tivat in Montenegro nach Cavtat in Kroatien antreten können.

Zuerst kam aber der Elektriker mit seinem Gesellen, den mir die Concierge der Marina für mein Bugstrahlruderproblem empfohlen hat. Er meinte gestern er würde zwischen 09:00 und 09:30 kommen und ich habe mich gemäss kroatischer Zeitrechnung ab 08:30 bereitgehalten und ihn nicht vor 10 Uhr erwartet. So war ich ganz überrascht als sie um 09:15 am Steg standen.

Wir haben lange rumgepröbelt (sie waren nicht wirklich MaxPower Bugstrahlruder Experten, aber komptetente Elektriker und das ist ja schon mal die halbe Miete). Sie haben einen ziemlich korrodierten Kontakt an einer der Batterien am Bugstrahlruder wieder gereinigt und neu mit Kabelschuhen versehen, da scheinbar nicht die volle Spannung ankam.

Das hat aber nur bedingt weitergeholfen. Nach weiterer Fehlersuche haben wir herausgefunden, dass der kleine Motor (12V), der das Bugstrahlruder aus- und wieder einfährt nur noch in eine Richtung dreht (also einfährt). Jetzt war nicht klar, ob es am Motor lag oder an der Steuerung. Ich hatte vorgeschlagen, den Motor einfach mal direkt mit Strom zu versorgen (in beide Richtungen), aber der Chefelektriker meinte gehört zu haben, wie eines der kleinen Relais in der Steuerung beim runterfahren nur kurz anschaltet und sofort wieder aus geht.

Also haben Sie auf mein drängen hin die Steuerung vom Heckstrahlruder ausgebaut und vorne eingebaut, nachdem ich ihnen versichert habe, dass die eigentlich identisch sein müssten. Sind sie grundsätzlich auch, nur haben wir festgestellt, dass hinten immer eine Steuerung sein muss, da hinten wohl der „Master“ ist. Aber das hat am Schluss auch die (teil-)kaputte Steuerung von vorne geschafft.

der (oder eigentlich „die Platine“) Übeltäter …

Jetzt habe ich ein funktionierendes Bugstrahlruder und ein nicht mehr funktionierendes Heckstrahlruder. Aber das ist mir lieber so. Und ich weiss, dass entweder die ganze Steuerungsplatine ausgetauscht werden muss, oder zumindest das eine Relais gewechselt/geprüft werden muss. Mal sehen wann und wo ich das machen lassen kann. Wird wohl eine „Winterarbeit“ werden.

Also ich dann wieder alles zugeschraubt hatte und die Segellast wieder eingeräumt war, haben wir abgelegt und sind zur Zollpier zum ausklarieren gefahren. Das ging recht schnell (ich wurde von einer charmanten Marinaangestellten von Office zu Office geleitet und musste nur immer freundlich lächeln). Nur bei der Zöllnerin gab es kurz Verwirrung. Die hat nämlich die Pässe mit der Crewliste verglichen und dabei einfach immer nur das Geburtsdatum überprüft. Und dann dachte Sie, sie hätte einen Pass zu wenig. Tja, das passiert halt, wenn man eine Crew mit Zwillingen hat ;-)

Danach ging die lange Fahrt bis Cavtat los. Leider durften wir nicht nochmal kurz in der Bucht von Herzeg Novi zum baden ankern, aber das war mir ja vorher schon relativ klar gewesen.

Die Kinder spielen seit gestern Mittag ständig „Schule“! Mit Lara als Lehrerin, Anna als Sportlehrering (und Beratering von Lara) und den Jungs als Schülern.

Abgesehen von der tollen Frau, die da mit im Cockpit sass, war die Fahrt eigentlich recht langweilig!

Nach etwas über 5 Stunden waren wir dann vor Cavtat und haben uns zum anlegen mit Buganker und Heckleinen an der Zollpier vorbereitet. Da war diesmal richtig Betrieb, weil eine kleine Flotille mit 4 Booten gleichzeitig ankam. Aber wir haben einen Platz ergattert und ich bin mit den Papieren und Pässen zum Zoll/Polizei gelaufen. Dort bin ich von der bekanntermassen unfreundlichsten, hochnäsigsten und machtgeilsten Einklarierungscrew „empfangen“ worden.

An der Zollpier wurde mir ja sofort wieder gesagt, dass ich, wenn ich zurückkomme von der Anmeldung, 100 Kuna fällig sind für den Anlegeservice (wobei ich immer noch nicht weiss, wieso an einer Zollpier überhaupt Geld verlangt werden kann, wenn man da ja hin MUSS!).

Dann wurde ich im Zollbüro ziemlich unfreundlich angeschnauzt, dass ich draussen zu warten habe. Und als ich im umdrehen „OK“ gesagt habe kam gleich ein „Do you have a problem!“ hinterher. Der Wahnsinn, dieses herzliche und freundliche Willkommen.

So habe ich dort auf dem unbequemen Stühlchen im Vorraum erst mal gut 15 min gewartet bis der vor mir abgefertigt war (von 3 Personen, wohl gemerkt), nur um dann zu erfahren, dass ich doch erst (entgegen aller Regeln) zum Hafenkapitän muss, um mir eine neue Crewliste ausstellen zu lassen. Dafür sind die Herren Zöllner nämlich zu faul.

Also zum Hafenkapitän, der sehr über meine vorgedruckte Crewliste erfreut war, und mit der von ihm abgestempelten und zweifach kopierten Liste (keine Ahnung wieso der Hafenkapitän die Kopierstelle für Zoll und Polizei spielt) wieder zurück zu den Zöllnern.

Die haben die Kopien dann gnädig entgegen genommen und mir sehr deutlich gesagt, dass ich jetzt SOFORT die Zollpier verlassen muss. War ja nicht mein Problem, dass ich so lange warten musste, weil die drei Damen und Herren nicht zwei „Kunden“ parallel abfertigen können…

Egal, wir haben uns dann entschieden doch nicht nach einem Liegeplatz in Cavtat an der Mole zu fragen sondern sind um die Ecke in die nördliche Bucht zum ankern gefahren. Da ist es eigentlich recht nett, nur leider kein so idealer Ankergrund mit sehr viel Seegras. Wird schon halten der Anker. Und ich schlafe ja wieder oben.

Gerade haben wir zum Abendessen (Iris hat leckeres Gemüsecurry gekocht) noch kostenlose Unterhaltung von einem DJ/Animateur im Clubhotel am nahen Strand gehabt. Der hat (auf Französisch) ein Musikquiz gemacht, bei dem man jeden Ton mithören konnte.

Mal sehen wie laut und windig die Nacht wird…

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