Ein Sommer mit "tonttu"

Tag 62 (2.7.2012)

Wir sind im Land der Skipetaren (Albanier nennen ihr Land Squipeta)!

Heute Morgen bin ich um 04:15 aufgestanden und habe mich zu den (auch noch im Halbschlaf befindlichen) Zoellnern und Grenzpolizisten begeben. Dort ging es recht flott, auch wenn der eine dem anderen noch den Computer erklaeren musste, in den er uns ein- bzw. austragen musste.

Kurz vor 05:00 Uhr habe ich dann so leise und zaghaft wie moeglich abgelegt, um meine im wertvollen Schlaf befindliche Crew nicht aufzuwecken. Hat auch ganz gut geklappt. Die sind dann erst um halb 8 Uhr aufgetaucht, da waren wir schon kurz vor der montenegrinisch-albanischen Grenze. Die Fahrt bis dahin war sehr, sehr ruhig. Ausser einem einzigen Angler gleich bei Bar habe ich kein Schiff gesehen. Das Wasser war spiegelglatt und es war ziemlich dunstig, so dass ich meistens ins „nirgendwo“ gefahren bin.

An der Grenze haben Anna und ich dann eine Flaggenzeremonie abgehalten; diesmal war ja klar, dass die einzige verbleibende Adlerflagge mit rotem Grund (schwarzer Adler statt goldener Adler) die Albanische sein musste.

Nachdem wir so gut vorwaerts gekommen sind, hatten wir sogar kurz ueberlegt gleich nach Durres weiterzufahren, uns aber dann doch fuer das urspruengliche Ziel Shengjin entschieden. Denn ich wusste ja nicht wie reibungslos das einklarieren ablaufen wuerde.

Kurz vor der Grenze haben wir sogar noch einen Delphin in unserem Kielwasser gesehen (sorry Martin und Irene, aber der ist wohl ein passionierter Grenzgaenger, deshalb haben wir ihn noch nicht vorher gesehen)!

Schon um 10:25 sind wir in den Hafen von Shengjin eingelaufen. Ich habe ja wie vorgeschrieben schon eine Stunde vor der Ankunft (und weil ich niemanden erreicht habe im 10 min Abstand immer wieder) per Funk den Hafen angerufen. Aber erst direkt vor der Einfahrt hat dann jemand geantwortet. Sehr freundlich in gutem Englisch (dass er mit dem Schiffnamen tonttu nicht zurecht kam macht ja nichts ;-) ) hat er uns darauf hingewiesen, dass wir bitte direkt in der Mitte der Einfahrt bleiben sollen wegen der Untiefen (das habe ich ja schon aus dem Hafenhandbuch gewusst, war aber ein sehr vielversprechender Anfang). Im Hafen hat er uns dann angewiesen an einem Fischtrawler laengsseits zu gehen, was ich Bug voraus gemacht hatte (nicht weil es flach war sondern weil wir schon alle Fender und Leinen an Steuerbord vorbereitet hatten und ich das geschaetzt 7-koepfige Empfangskomittee nicht warten lassen wollte, bis wir alles wieder umgeaendert haben).

Da standen also

  1. ein Hafenkapitaen
  2. ein Hafenkapitaensassistent
  3. ein Grenzpolizeihauptmann
  4. zwei Grenzpolizeiwachtmeister
  5. ein Shipping Agent
  6. und noch einer, keine Ahnung was dessen Job war

So einen Empfang muss man sonst lange suchen. Wir sind dann also alle zusammen ins Buero des Hafenkapitaens gegangen und ich durfte auf der furchtbar bunten Wohnzimmercouch platz nehmen die auch im Foto des Albanienartikels in der Yachtzeitschrift abgebildet ist. Dann haben sich der Hafenkapitaensassistent und ein Grenzpolizeiwachtmeister meine Papiere (die von mir schon vorher am Laptop erstellte und auf dem Mini-Tintenstrahldrucker an Bord ausgedruckte Crewliste; die Schiffspapiere und die Paesse) genommen und ein paar Formulare ausgefuellt und mich spaeter unterschreiben lassen.

Waehrenddessen wurde ich vom hervorragend Englisch sprechenden Schiffsagenten und dem Hafenmeister unterhalten und sie haben mir erzaehlt, dass sie untereinander in albanisch schon Witze ueber mich gemacht haben, ob ich etwa ein Albaner sei, weil ich so viele Kinder habe :-)

Nach ca. 15min war das Ganze erledigt und ich wurde vom Schiffsagenten (der heisst tatsaechlich Frokk Frokku; hier ist das wohl so wie in den nordischen Laendern, wo man mit Nachnamen wie der Vater mit Vornahmen heisst, plus eine Endung) wieder die 200 m zu tonttu zurueck gebracht und er hat mir gesagt, dass ich morgen frueh von ihm die Fahrterlaubnis fuer Albanien der Hafenkommandantur ueberreicht bekommen werde und dann hat er mir noch Ausgehtipps (Fischlokale etc.) genannt und sonstige Hilfe angeboten und seine Handynummer diktiert. Morgen wird er fuer den Service und die Liegeplatzgebuehr sowie die Hafen- und Einklarierungsgebuehren 50 EUR bekommen, aber auch das war mir aus den verschiedenen Artikeln schon klar.

Wir haben dann das Dinghi klar gemacht und sind zu sechst aus dem Hafen raus und an den Strand daneben gefahren. Dort haben wir uns zwei Sonnenschirme mit je zwei Liegen ausgesucht und ich habe mich auf den Weg gemacht albanische LEK zu besorgen und fuer die Sonnenschirme/Liegestuehle im Hotel zu bezahlen. Auf meine Frage an einen englisch sprechenden Gast in der Strandbar auf der „Landungsbruecke“ direkt vor unserem Liegestuhl, wo denn die Geschaefte bzw. das „Stadtzentrum“ sei, hat der nette Albaner fast schon entschuldigend gesagt, dass hier alles etwas einfacher/kleiner ist, aber man komme schon zurecht. Er meinte direkt hinter der ersten Hotelreihe waere die Hauptstrasse. Ich solle mir da aber nichts all zu grosses darunter vorstellen, die waere nur 6m breit. Das ist hier allgemein so, habe ich das Gefuehl. Alle sind super, super freundlich und hilfsbereit. Und wenn einer kein Englisch kann, dann rennt er meilenweit um irgend einen anderen her zu holen, der uebersetzt. Und dann wird sich staendig dafuer entschuldigt, dass alles hier so einfach und klein ist, aber gleichzeitig merkt man einen sehr positiven und schoenen Stolz auf das eigene Land. Super Leute!!!

Auf der Hauptstrasse habe ich gleich gegenueber einen Vodafone Shop zu meiner grossen Ueberraschung entdeckt. Und ihr merkt, ich habe mir gleich eine Internet- und Telefonkarte besorgt. Hat etwas laenger gedauert, da der Verkaeufer nur albanisch und italienisch konnte und mein italienisch zum SIM-Card-Kauf nicht ausreichend ist. Aber es hat geklappt und ich habe fuer 600 LEK Kaufpreis (inkl. 400 LEK Prepaid-Guthaben) sowie weitere 800 LEK ein 3GB Internet-Paket und noch 200 LEK fuers telefonieren ein rundum-sorglos-Paket erworben fuer die 7 bis 10 Tage die wir hier in Albanien sein werden. Uebrigens, 1 EUR ist ungefaehr 140 LEK wert ;-) Das waren also 8.50 EUR !

Danach haben wir in dem Hotel, von dem wir die Schirme und Liegestuehle am Strand gemietet haben zu Mittag gegessen (ich einen Griechischen Salat, sehr gut; Iris eine Spaghetti Meeresfruechte, auch sehr gut, aber ein wenig viel; die Maedels von Hand gemachte Pommes bzw. fritierte halbe Kartoffelscheiben; und fuer alle noch etwas Kaese als Vorspeise; dazu diverse Lemon Soda aus Italien und andere Softdrinks und Wasser) fuer sage und schreibe 2200 LEK (ich habe dann 2500 LEK gegeben, obwohl man nach Empfehlung des Schiffsagenten nie mehr als 5% Trinkgeld gibt, weil der Kellner so super nett war, obwohl wir uns nicht wirklich verstaendigen konnten).

Spaeter am Strand haben wir dann noch fuer Anna eine Luftmatratze, fuer Lara ein neues aufblasbares Schwimmauto, fuer Luka ein aufblasbares Schwimmflugzeug und fuer Luis einen Schwimmwal gekauft fuer jeweils 500 LEK und sind viel geschwommen. Es hat super feinen (leider recht heissen) Sand, der ganz flach rein geht. Allerdings schwimmt immer mal wieder ein Stueck Plastik vorbei. Und der Strand sieht aus wie Rimini aber mit etwas einfacheren und deutlich renovierungsbeduerftigen Hotels dahinter.

Der Hotelstrand vom Wasser aus:

Blick von unseren Liegestuehlen den Strand entlang in Richtung Hafen. Man kann sogar tonttus Mast sehen (allerdings nicht bei der hochgeladenen, geringen Aufloesung ;-)):

Die Hotels hinterm Strand und die „Landungsbruecken-Bar“

Die Maedels beim Eis essen auf der Mini-Hollywoodschaukel in der „Landungsbruecken-Bar“:

tonttu im Hafen neben dem Fischkutter (aufgenommen auf der Rueckfahrt mit dem Dinghi):

Dann sind wir um kurz nach 5 wieder mit dem Dinghi zurueck in den Hafen gefahren (wir hatten ja tonttus Mast immer vom Strand aus gesehen) und haben zu Abend gegessen. Dabei hat uns einer vom Fischkutter an dem wir lagen verkuendet, dass sie um Mitternacht auslaufen werden. Also bin ich nochmal zum Hafenkapitaen und habe nach einem anderen Liegeplatz gefragt, damit ich nicht um Mitternacht rangieren muss. Wir sind dann ueberein gekommen, dass die beste Variante ist, einfach umzudrehen und mit Buganker und zwei Heckleinen festzumachen und etwas Platz zum Kutter zu lassen. Ich muss nur den Polizeibooten neben mir genug Platz zum wegfahren fuer einen Notfall lassen.

Da ein Hafenkapitaen in Albanien wohl selber keine Leine anfasst (ich brauchte natuerlich jemanden, der mir die Leine annimmt beim anlegen, da ich nicht ganz nah rueckwaerts ran konnte, da da noch ein kleines Polizeiboot liegt), hat er den Schiffsagenten nochmal angerufen, der dann auch 10min spaeter zur Stelle war. Am Schluss haben sogar noch die Polizeileute mitgeholfen Leinen anzunehmen. Die hatten wohl Angst um ihre Boote ;-) Iris und ich haben aber das Manoever blendend gemeistert und wir liegen jetzt wunderbar mit leichtem Abstand neben dem Fischkutter aber ohne mit ihm verbunden zu sein und die Polizeiboote kommen auch ohne Probleme raus.

Sie (der Schiffsagent und 5 Mann von der Grenzpolizei) haben mich dann noch zu einem Kaffee eingeladen in der Hafenkneipe. Ich habe einen hervorragenden Espresso getrunken, der Polizeihauptmann auch und die anderen haben in der Zeit je zwei 3dl Bier gezischt ;-) Aber sie hatten ja Feierabend (sagten sie zumindest).

Das einzig wirklich nachteilige bis jetzt hier ist: Ich werde gerade trotz Autan-Stick furchtbar von Muecken zerstochen (Iris ist schon nach unten gefluechtet) aber ich muss ja noch bis Mitternacht oben bleiben, damit ich sehen kann, dass mir die Kutterfahrer nichts anschrammen und meinen Anker drin lassen. Aber ansonsten: Super das Land der Skipetaren, und die Skipetaren selber erst!!!

Comments

Das hört sich ja sehr symphatisch an was Ihr in Albanien erlebt! Der Delphin hatte wahrscheinlich kein Visum für Montenegro und wollte deshalb nicht auftauchen… Schade, dass Du keine Palette Wasser bekommen hast ;-) LG, Martin

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Unsere Freunde
| 04.07.2012 20:19 (vor 9 Jahren) | reply