Ein Sommer mit "tonttu"

Tag 47, 14.8.2013

Ich habe für gestern noch schöne Sonnenuntergangsbilder nachgereicht…

Wie angekündigt war in der letzten Nacht fast windstill. Es sollte ja erst am frühen morgen anfangen mit mehr Wind. Dem war auch so, aber in gemässigterer Form als laut Wetterbericht. Gegen kurz nach 4 kamen die ersten kleinen „Böen“ mit unter 10kn und um 6 Uhr war es dann am stärksten mit 16kn. Also alles kein Problem und ich konnte ruhig weiterschlafen.

Ein Nachbar hat allerdings ganz erstaunt gemerkt, dass er fast schon auf dem Felsen liegt und in klassischer italienischer Manier einfach den Motor angemacht, den Vorwärtsgang eingelegt um den Anker nach vorne zu schleifen. Aus irgendeinem Grund ist er dabei sogar nochmal runter gegangen und hat sein Schiff sich selbst überlassen. Dabei ist er ziemlich bedrohlich auf uns zugefahren. Ich wollte gerade rufen, da kam er wieder ins Cockpit und hat den Gang rausgenommen. Gerade noch, dass er abgewartet hat, wo sein Anker jetzt wieder greift und wie er dann liegt und dann ist er schon wieder verschwunden gewesen. Wahrscheinlich weiter schlafen!

Wir haben uns nach dem Frühstück überlegt, ob wir jetzt in die Marina Veli Rat fahren (also um die Ecke) um den für heute Nacht angesagten stärkeren Wind auszusitzen, oder woanders hin. Da in der Marina Veli Rat Wasser sehr teuer ist (40L für 20kn, also 3€) und es Strom auch nur zwei mal 3 Stunden am Tag gibt, zog es uns nicht so sehr dort hin. Da ist nämlich nicht mal ein richtiger Ort.

Ich habe dann im Hafenhandbuch nochmal ein wenig in der Gegend herumgeblättert und bin dabei mal wieder auf Ist gestossen (so heisst die Insel tatsächlich). Da war ich schon Ewigkeiten nicht mehr und als „Borahafen“ bot es sich eigentlich an. Ausserdem stand da etwas von vielen Bojen und einem idealen Strand für Kleinkinder. Na also!

Wir haben also den Anker hochgezogen und sind losgetuckert in Richtung Ist. Gleich nachdem wir aus der Bucht raus waren habe ich das Vorsegel ausgerollt, denn wir hatten Halbwind (also von der Seite) mit 10 bis 12kn. So ging es gemütlich mit um die 4kn Fahrt voran. Bei der Strecke wären das knapp 2 Stunden gewesen. Dann hat uns aber eine Bavaria überholt (mit Gross und Rollgenua draussen) und das konnte ich nicht auf mir bzw. auf tonttu sitzen lassen.

Kurzerhand also das Grosssegel ausgepackt und hochgezogen. Die feigen Bavariasegler haben dann aber gleich abgedreht. Wahrscheinlich haben sie gemerkt, dass sie keine Chance hatten. Oder sie wollten einfach woanders hin ;-)

Wir sind dann also schon nach eineinviertel Stunden angekommen (kurz vor 12), da wir bei 12 bis 13 kn Wind zeitweise über 8 kn gefahren sind mit 70 bis 80 Grad am scheinbaren Wind (das ist was für die eingeweihten und wird nicht übersetzt).

Leider war es in der Bucht Siroka auf Ist (das ist die Südbucht, falls einer auf Google-Maps nachsehen will) schon sehr voll. An den Molen war sowieso nichts frei, aber da wollten wir auch nicht hin. Ich war jedoch schon ziemlich erstaunt, dass auch sämtliche Bojen schon besetzt waren und auch keiner Anstalten machte wegzufahren.

Also haben wir kurzerhand am Westufer (gegenüber vom Bojenfeld) auf 6.5 m Wassertiefe ankern müssen. Mit 40 m Kette fühlte ich mich schon recht sicher und habe dann schlussendlich am Abend noch auf 45 erhöht und die Ruckdämpfer angebracht.

Am frühen Nachmittag sind wir dann mit dem Dinghi vor in den Ort gefahren zum …

… na was wohl: Eis essen, Spielplatz besuchen, Baden und Einkaufen im Mini-Markt.

Hein war auch dabei …

Na, haben die mich in Hollywood jetzt verschaukelt?

Mini-tonttu vorne und Gross-tonttu weit im Hintergrund. Wer findet tonttu?

Hat alles wunderbar funktioniert und wir hatten einen schönen Nachmittag. Als wir jedoch zurück gekommen waren hing direkt vor unserem Boot ein anderes. Und mit direkt meine ich „wirklich verdammt nah“, also etwa 8 m dazwischen.

Fast zeitgleich kam auch die Crew dieses Bootes (eine 36 Fuss „weissnichtwas“ mit Zulassung in Konstanz und dem Namen „Jenny“). Iris meinte, sie hätte das Schiff bei der Hinfahrt deutlich weiter vorne in der Bucht gesehen (also weiter in Windrichtung).

Ich bin erst mal davon ausgegangen, dass die 3 Herren (Vater mit Sohn und Freund des Sohnes?) selber gemerkt haben, dass ihr Schiff inzwischen woanders liegt. Dummerweise haben sie beim an Bord steigen auch noch ihr Dinghi verloren und ich bin wieder in unseres gestiegen um es einzufangen, da war aber der Vater schon ins Wasser gesprungen.

Immer noch dachte ich, jetzt ankern sie gleich neu. Nee, Vater hat sich erst mal die Badesachen ausgezogen und sich gemütlich nackt am Heck geduscht. Ok, dachte ich, lass ihn mal, aber dann …

… passierte immer noch nichts. Also bin ich aufs Vorschiff und habe mal freundlich gefragt, wann sie denn umzuankern gedenken. Die Antwort von dem einen Jüngling: Wieso denn wir? Ihr seid doch so nah!

Da ist mir fast die Hutschnur geplatzt und ich habe klar gesagt, dass wohl ihr Anker gerutscht ist. Ich hatte mich nämlich nochmal auf dem Chartplotter versichert und wir lagen immer noch wie festgenagelt an der gleichen Stelle wie vor 4 Stunden. Da meinte der inzwsichen wieder an Deck gekommene Vater: Wir sind aber schon seit gestern da. Als ich ihm dann zugerufen habe: Das mag sein, aber sicher nicht an der Stelle hier sondern wohl eher 150m weiter nördlich.

Das hat dann wohl gereicht, um ihm klar zu machen, dass er seine Situation und Ankerposition wirklich nochmal überdenken sollte. War auch klar, denn alle unsere Nachbarn waren ja auch noch da. Die müssen ziemlich blind bis ignorant unterwegs gewesen sein.

Also haben sie endlich ihren Anker hochgezogen. Das sah erst sehr schwierig aus, denn Vater hat den Anker von Hand hochgezogen und kam dabei dem nächsten Schiff vor ihm immer wieder ziemlich nahe. Ich hatte am Schluss noch befürchtet, er hätte den Anker inzwischen unter meine Kette gepackt, weil er immer wieder abgebrochen hat mit seinen händischen Bemühungen. Irgendwann hat er aber dann doch seinen Sohn runter geschickt um die Sicherung der Ankerwinsch anzumachen und dann ging es ganz leicht.

Auch später wurde es immer wieder lustig wegen den Dreien. Sie haben erst 2 mal direkt wieder vor anderen Yachten geparkt und wurden verscheucht und sind dann an den Platz gefahren, den ich ihnen von Anfang an empfohlen hätte, hätten sie mich denn gefragt :-)

Gerade wollten sie dann wohl einen Ausflug in den Ort machen und sind mit dem Dinghi an uns vorbeigetuckert. 50m weiter stoppt plötzlich der Motor. Die Leute auf dem Schiff vor uns haben sie dann mit ihrem Dinghi wieder zu ihrem Boot zurück geschleppt. 10min später kamen sie dann wieder vorbeigefahren. Hatten wohl keinen Sprit mehr. Künstler gibt es …

Ach, a propos, das hätte ich ja fast vergessen, und dabei hatte ich heute Nachmittag schon beschlossen das wird die Story des Tages: Etwas nach uns haben Italiener neben uns geankert. Oder sie haben zumindest das getan, was Italiener aus der Schule „Ankern möglichst schnell gemacht“ dafür halten.

In recht schneller Rückwärtsfahrt haben sie den Anker ein wenig runter gelassen (so ca. 10 m bei 6 m Wassertiefe) und als der dann erstaunlicher Weise kurz aber heftig gegriffen hat, ist ihnen gleich die Kette über die Nuss der Ankerwinsch gerutscht und sie haben geschätzte weitere 8 m Kette dabei „verloren“. Das schien ihnen wohl genug (ich wäre mit meinen 40m beim drehen voll auf sie drauf gerauscht, und wollte sie gerade schon darauf hinweisen). Dann machte sich der eine von den beiden mit Flossen und Taucherbrille fertig und stieg ins Wasser.

Super, dachte ich mir, jetzt kommt der „oh wie schön sieht mein im Sand vergrabener Anker aus“-Schnorchelgang, mit dem die Leute immer denken, sie könnten feststellen, ob ihr Anker hält. Als ich ihn dann etwas weniger als eine Schiffslänge vor seinem Bug innehalten und gebannt nach unten starren sah, habe ich ihn gefragt, ob denn dass die Position seines Ankers sei. Er bejahte und ich gab ihm zu verstehen, dass das vielleicht etwas wenig sei und ich mindestens nochmal 20m dazu geben würde.

Dann kam das Beste. Der Schnorchler ist wohl ein ausgebildeter Taucher. Ein paar Minuten später kam er mit Flasche und Tauchausrüstung zurück auf die Badeplattform. Was der wohl wollte? Das stellte sich gleich heraus, er hat seinen mitsegler tauchend eingewiesen wie weit er die Kette raus lassen soll ;-) ;-) ;-)

Oh, manchmal muss man den Italienern und anderen Mitseglern echt dankbar sein. Sie sorgen beim Segeln für so viel Unterhaltung!

So, jetzt bläst es in Böen schon um die 20kn. Mal sehen wie sich das noch weiter entwickelt…

Comments

Scheint ja ein schönes FKK Revier für absolute Segelcracks zu sein…;-) Villeicht solltest du doch eine Kanone auf dem Bug anbringen, dann bleiben alle auf Entfernung!!

1 |
Stefan
| 14.08.2013 22:56 (vor 8 Jahren) | reply

Tja, das mit der Kanone habe ich mir auch schon mal überlegt. Oder vielleicht sollte ich mir spezielle Fender basteln (wie überall hängen hier ja viele beim Ankern unsinniger Weise die Fender raus): Auf der einen Seite schön weich für tonttus Rumpf und auf der anderen Seite mit ganz langen Zimmermannsnägeln. Die würde ICH dann nachts beim ankern raus hängen ;-)

2 |
Mark Rosa
| 15.08.2013 19:52 (vor 8 Jahren) | reply