Logbuch des Sommertörns 2017
Dieses Jahr planen wir ab Anfang August für 3 Wochen mit tonttu segeln zu gehen. Vielleicht mal wieder etwas in den Norden. Hängt davon ab, ob ich zwischendurch (in der mittleren Woche) mal für ein paar Tage zum Arbeiten zurück nach Deutschland muss.
Wenn mal kein aktueller Eintrag vorhanden ist, dann bitte nicht verzweifeln, denn dann sind wir in einer so einsamen Bucht gewesen, dass wir keinen Internetempfang mit dem Handy hatten Wir holen den Eintrag dann so rasch wie möglich nach.
11.8.2017 Sali, Dugi Otok
Nach einer unerwartet ruhigen Nacht (eigentlich sollte es ja etwas mehr aus NW wehen, das fand aber nicht wirklich statt) haben wir einen schönen Morgen in der Bucht von Brbinj erlebt und sind dann nach dem Frühstück losgefahren.
Dank des versprochenen NW-Winds mit meist um die 15kn konnten wir ganz gemütlich nur unter Vorsegel die 13 nm bis nach Sali absegeln (immer zwischen 4,5 und 5,5 kn). So waren wir schon um 12:30 in Sali. Leider sah es dort erst mal schlecht aus mit einem Liegeplatz. Warum sollten wir später erfahren.
Nach ein paar Runden im Hafen wurde uns dann doch ein Platz auf der Nordseite (auf der Südseite ist es für uns zu flach, da müssten wir mit dem Bug voraus ran) in „10 min“ zugesagt. Hat dann doch ein klein wenig länger gedauert, aber Hauptsache es hat geklappt.
Stutzig geworden sind wir dann erst, als direkt gegenüber von uns eine recht grosse „Karlovacko“ Bar aufgebaut wurde und zwei Kleintransporter voll Alkohol in die Lagerräume dahinter gebracht wurden. Hier findet wohl eine Party statt…
Und die Bühne wird auch schon aufgebaut:
Wir waren dann noch Baden um die Ecke beim Leuchtturm und sind danach ein Eis essen gegangen. Fast schon Routine
Ein Stück weiter von der Eisdiele haben die Kinder dann noch zwei Hüpfburgen entdeckt und Ihr Taschengeld in eine Runde hüpfen investiert. Vorher hat Lara schon selbständig Postkarten gekauft und Briefmarken, die Postkarten gleich selber geschrieben und eingeworfen. Richtig erwachsen, die kleine Dame!
Vor dem Abendessen gab es dann für alle Familienmitglieder eine ausführliche Dusche gegenüber in der „Marinadusche“ von Sali. War auch nötig nach so vielen Tagen an Bord Nee, wir haben ja auch an Bord Duschen…
Zum Abendessen sind wir ins Restaurant Marin gegangen und haben dort hervorragend gespeist. Immer wieder unterbrochen von einem eigentümlichen Umzug, der hier wohl jedes Jahr stattfindet mit Trommeln, Kuhhörnern und Schellen aus alten Bügeleisen gemacht. Irgendwie die hiesige Art des Perchtenlaufs. Mit dem gleichen Effekt: In jeder „belästigten“ Bar oder Restaurant gibt es eine Runde Bier für die Protagonisten. Das ist wohl der Auftakt eines dreitägigen Fests hier in Sali…
Finale ist am Sonntag das Eselrennen, aber so lange werden wir wohl nicht bleiben. Denn all zu ruhig und erholsam dürfte die Nacht nicht werden!
10.8.2017 Utra/Bribinj, Dugi Otok
Die letzte Nacht durfte Luis oben im Cockpit mit mir übernachten. Es war zwar in der Marina, aber doch recht ruhig und einigermassen dunkel, so dass er offensichtlich gut schlafen konnte bis zum Morgen:
Im kleinen Market im Ort habe ich uns dann noch Frühstücksgebäck und Brot geholt (unsere Restbestände waren schon ziemlich zäh/hart; geht halt nichts über bayerisches Brot, das schmeckt nicht nur besser sondern hält auch länger) und gegen 9 Uhr haben wir dann abgelegt.
Wir hatten schon in der Nordbucht von Dugi Otok super Wind (as Südost) und konnten direkt nach der Ausfahrt der inneren Bucht (Pantera) die Segel setzen und sind gleich an den ganzen Bavarias vorbeigezogen, die uns vorher noch stolz unter Motor überholt haben. Das Schild mit der Höchstgeschwindigkeit von 4kn für die Bucht haben sie wohl nicht gesehen.
Und dann, als wir um den Nordostzipfel von Dugi Otok rum waren und im Kanal zwischen Zverinak, Tun Veli und Dugi Otok aufgekreuzt sind, haben wir mit durchschnittlich über 7 kn alle anderen abgehängt. Spätestens als wir an Setrunj vorbei sind, hatten wir alle weit hinter uns gelassen und die Armada sozusagen angeführt.
Etwas südlich von Sestrunj hat uns dann Jure mit dem Schiff „NeoStar“, für welches er seit diesem Jahr der Skipper ist, eingeholt und überholt. Kein Wunder, ist ja auch eine 26m lange Ferretti!
Aber immerhin haben wir mal ein schönes Bild von tonttu in Action bekommen:
Wir haben die NeoStar dann später wieder in der Bucht von Brbinj auf Dugi Otok getroffen, in der wir dann auch geankert haben und in der wir auch über Nacht bleiben werden.
Jure und die Eigentümerfamilie haben uns dann noch zu sich eingeladen. Was super nett und wir haben das Schiff kennen gelernt.
Gegen 4 sind sie aber dann losgefahren, da sie heute noch nach Biograd wollten.
Wir haben uns an den Liegeplatz hinter der Insel Utra und hinter der gleichnamigen Huk Utra gewöhnt und bei einer vorbeiziehenden Gewitterzelle am frühen Abend auch feststellen dürfen, dass der Ankerplatz geeignet ist auch bei 25kn Wind.
Zum Abendessen gab es Penne nach Stefan Woizick (mit Zwiebeln, Paprika, Ajvar, Sahne und Weisswein) was auch den Kindern erstaunlicher Weise geschmeckt hat. Da hätte ich den Zitroneneistee als Bestechung gar nicht gebraucht.
Jetzt ist auch der Wind eingeschlafen und vielleicht schlafen später auch die Kinder ein. Luca heute im Cockpit …
Übrigens: Luis Wespenstich hat doch noch Wirkung gezeigt. Seine Stirn und Augenbrauen sind ein wenig angeschwollen. Jetzt sieht er aus wie der männliche Nachwuchsstar (Taylor Lautner) aus der Twilight (Biss im …) Serie
9.8.2017 Marina Veli Rat, Dugi Otok
Heute haben wir eine extrem weite Strecke hinter uns gebracht: ganze 1,1 nm (also knapp 2 km)!
Wir haben gleich um 07:30 von der Boje losgemacht und sind rüber in die Marina gefahren, in der wir kurz nach 8 angelegt hatten. Grund des Ganzen war, dass ich „eigentlich“ heute arbeiten wollte, da in meinem aktuellen Projekt heute Sprint-Review und Sprint-Planning stattgefunden hat. Das sagt den meisten jetzt nichts, aber es ist ein wichtiges dreiwöchiges Meeting, an dem ich via Skype teilnehmen wollte.
Mein Office:
Am Vormittag hat das mehr schlecht als recht geklappt. Nicht über das WLAN der Marina sondern nur über meine eigene Internet-Daten-SIM. Aber auch da ist meistens die Screensharing-Verbindung abgebrochen und die Audioverbindung war auch manchmal unverständlich.
Und am Nachmittag ging dann gar nichts mehr…
Während der ganzen Aktion war Iris mit den Kindern vorne am Leuchtturm and der Nordspitze von Dugi Otok. Das ist eine nette 1-stündige Wanderung hin und dort gab es einen schönen Strand und ein Beach-Restaurant. Ihnen hat der Ausflug sehr gut gefallen, auch wenn die Kids auf dem Rückweg die letzte viertel Stunde geklagt haben.
Gegen kurz vor 4 waren dann alle wieder zurück und wir sind hier vom Steg der Marina aus nochnmal alle baden gegangen und haben etwas Hafenkino geschaut (also anderen beim anlegen zugesehen und sich dabei die beissenden Kommentare verkneifen).
Aus Tripadviser haben wir dann einen guten Tipp für ein Restaurant am anderen Ufer gegenüber vom Örtchen Veli Rat gefunden und sind mit dem Dinghi um kurz vor 6 rüber getuckert. Für später haben wir keinen Platz mehr bekommen. Somit waren wir dann auch wieder kurz vor 8 wohlgenährt (es hat sehr lecker geschmeckt beim „Grill Gorgonia“) wieder zurück gekommen.
Jetzt spielen die Kinder noch ein wenig Dobble und danach geht es ins Bett. Alle bis auf Luis unten. Der darf heute an Deck (unter der Sprayhood) schlafen, so wie letzte Nacht Anna und in der Nacht davor die Lara.
8.8.2017 Zaliv Pantera, Dugi Otok
Heute Vormittag sind wir nach dem Frühstück mit dem Dinghi vor in den Ort gefahren, um dort in der Spitze der Bucht auf feinstem Sandboden zu baden.
Als Mittagessen haben wir uns für Palacinke entschieden, die es im kleinen Örtchen Ist bei einem uns bekannten Restaurationsbetrieb gibt. Insgesamt ein sehr schöner Ausflug.
So waren wir kurz vor 2 wieder zurück an Bord, haben das Dinghi hinten quer gehängt und den Anker gelichtet. Die heutige Strecke bis zum Nordende von Dugi Otok war recht kurz und nach etwas über einer Stunde waren wir schon da.
Zum ersten Mal haben wir eine Boje im Zaljev Pantera genommen. Das ist die grosse, rundum geschützte Bucht am Nordende der Insel Dugi Otok, direkt hinter der Sandbank auf der das Wrack in den 70er Jahren gestrandet ist.
Leider sind die Bojen sehr teuer. Man fragt sich dann doch, wofür man die 22kn pro Meter bezahlt. Das sind dann fast 45€ einfach nur für eine Boje mit einem reichlich kleinen Betonblock unten dran und dem Müllmitnahmeservice. Aber den Kindern hat es gefallen, da wir nicht weit vom Ufer sind und sie direkt selber rüber schwimmen konnten. Deshalb habe ich auch tonttu mit dem Heck an die Boje gehängt, da es im Schwojkreis schon etwas seicht (3 m) wird.
Wir hatten etwas Ärger mit dem Aussenborder, aber nachdem ich das Standgas und den Vergaser neu eingestellt habe (das Gemisch war meiner Meinung zu fett, denn er ist immer wieder abgestorben und abgesoffen im Standgas) geht es jetzt hoffentlich wieder einigermassen.
Als Abendessen habe ich mal wieder zuviel Spaghetti Carbonara gekocht, aber so haben wir was für morgen Mittag.
7.8.2017 Ist Südbucht
Irgendwie kam der Starkwind heute Nacht nicht wie angekündigt: Erstens hat es deutlich zu spät angefangen (nach 23 Uhr) und dann war es meiner Meinung nach auch keine wirkliche Bora (dazu war es viel zu bewölkt und der Wind noch immer zu warm) sondern eher die Auswirkung von Gewittern in der Gegend. Trotzdem hatten wir Böen von bis zu 38 kn in der Marina und die Boote wurden ziemlich hin und her geschaukelt. Gegen 2 war dann jedoch das schlimmste vorbei und ich habe mich ins Bett gelegt.
Am Morgen sah dann alles wieder ganz friedlich aus, nur als wir später zum einkaufen gegangen sind, haben wir einen Einheimischen bemerkt, der sich mit seinem Jetski ein Nebengeschäft aufgemacht hat. Er hat all die von den Booten und von Land ins Wasser gewehten Dinge (Kissen, Schilder, …) wieder eingesammelt und gegen ein kleines Entgelt wieder zurück übereignet.
Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und 2 Maschinen Wäsche gewaschen (nachdem wir für den Strom und das Wasser eh' bezahlt haben …) und ich bin mit den Kindern Wasser und ein paar weitere Lebensmittel einkaufen gegangen. Dann haben wir gefrühstückt und wieder alles aufklariert (ich habe unsere Fender wieder von den Nachbarschiffen eingesammelt, da wir ein paar dort aufgehängt haben) und waren dann um 11:15 klar zum auslaufen.
Bis dahin hat sich auch gezeigt, dass auch das Ende der angekündigten Bora nicht wirklich wie angekündigt stattfinden würde. Also noch weniger Wind als gedacht und vor allem aus der völlig falschen Richtung: aus Westen, statt aus Nordosten, wie sonst bei einer Bora üblich. Auch die Wolkenwalze über dem Velebit war eher ein gemütliches Kissen.
Wir konnten aber den grössten Teil der Strecke segeln. Nach 45 min haben wir die Segel gesetzt (bis dahin hatten wir tonttu ja noch als die längste Wäscheleine der Welt missbraucht) und erst am Südende von Silba haben wir die Segel wieder geborgen und sind unter Motor die letzte Stunde weiter. So haben wir 32 Seemeilen mit nur knapp 2 Stunden motoren geschafft. Und unterwegs waren wir mit Halbwind und meist zwischen 5 und 6 kn unterwegs.
Und Anna hat fast eine Stunde lang gesteuert:
Hier in der Südbucht von Ist haben wir auf der Westseite geankert (auf der Ostseite ist ja das kostenpflichtige Bojenfeld) und sind dort die letzten, also südlichsten in der Reihe, damit wir vor den „kurzankernden“ Italienern sicher sind. Denn der Ankergrund ist hier ja nicht der allerbeste, da immer wieder mit kleinen Felsen bzw. Steinplatten versetzt.
Nach einer Baderunde haben wir dann Fajitas gekocht. Sehr zur Freude der Kinder. Nur leider hatten wir kein Tabasco für mich. Also habe ich die Variante mit Ajvar probiert. Auch nicht schlecht, solange man es nicht mit Guacamole kombiniert.
Als Lara und Luis endlich fertig gespült (und nachgespült) hatten - denn sie waren heute wieder dran - durften alle nochmal ins Wasser hüpfen und dann auch noch den aufgehenden Mond bewundern, der gross über der Nachbarinsel emporgestiegen ist.
Zum Nachtisch gab es dann noch Schokopudding und jetzt stecken alle in ihren Betten. Bis auf Lara, denn die darf heute oben an Deck übernachten (unter der Sprayhood, damit Iris und ich noch ein wenig zusammen sitzen können).