Ein Sommer mit "tonttu"

Tag 53, 20.8.2013

Auch diesmal verstecken wir uns zwar vor der Bora in einer Marina, aber dort merken wir den Wind nicht wirklich so stark wie erwartet. Das kann jetzt daran liegen, dass die Bora nicht so heftig ist wie angesagt (wird wohl teilweise so sein) aber natürlich auch, dass die Ecke hier ziemlich gut geschützt ist. Trotzdem die „Haupteinflugsschneise“ der Bora genau nördlich von hier zwischen Rab und Krk liegt.

Jedenfalls hat es heute morgen kurz vor 6 die ersten Böen gegeben mit bis zu 18 kn. Dann gegen 8 waren es auch mal deutlich über 20kn und kurz danach hat es zu regnen angefangen. Das wiederum ist eher ungewöhnlich im Zusammenhang mit einer Sommerbora. Das gibt es eher bei einer Bora im Winter und Frühjahr bzw. eigentlich vor der Bora, bevor der Wind los geht. Denn die Bora ist ja ein trockener, eher kalter Wind von den Bergen. Die Feuchtigkeit regnet sich jenseits des Velebitgebirges (also an dessen Ostseite) ab, wenn die Luft ansteigt, abkühlt und damit die Feuchtigkeit auskondensiert. Deshalb: Bora heisst normaler weise kühler und trocken.

Ich habe also die Gelegenheit genutzt im leichten Regen die Edelstahlgestänge des Bimini-Top (Sonnenverdeck) zu entrosten und danach kurz zu polieren. Denn ich hatte ja gestern schon den Persenningstoff davon abgebaut und dabei eine der Nähte neu angenäht. Deshalb ging das jetzt besonders gut, weil man nicht immer noch gleichzeitig mit dem Stoff herumhantieren muss beim Edelstahl pflegen.

Danach haben wir uns in die Sommer-Regenklamotten gepackt und sind (inzwischen hatte der Regen schon wieder aufgehört) in Richtung Busstation ausserhalb der Marina gelaufen. Um ca. 10:55 sollte der Bus aus Lopar in Richtung Rab halten. Wir haben bis 11:15 gewartet und ich wollte schon zur Reception, um ein Taxi rufen zu lassen, da kam er angetuckert. Er hat sich aber geweigert anzuhalten und uns bedeutet, dass er schon voll sei. Na Klasse!

Also sind wir doch zur Reception und haben ein Taxi rufen lassen. Es sollte nach ca. 15 min da sein. Nach 10 min kam der freundliche Herr von der Marina-Reception wieder raus und hat uns mitgeteilt, der Taxifahrer habe zurück gerufen. Er steht im Stau, wäre aber in 10min da. Allerdings sei auf dem Rückweg in Richtung Rab so viel Verkehr, dass es bis zu einer Stunde dauern könnte für die 10km Wegstrecke. Ob wir wirklich mit den Kindern abgeholt werden wollten. Wir haben dann dankend abgelehnt und den Rab-City-Ausflug auf morgen verschoben. Da hat wenigstens mal einer (oder besser gesagt zwei: Der Receptionist und der Taxifahrer) mitgedacht.

Also sind wir erst mal zu dem Mini-Spielplatz neben der Marina (eigentlich ein schönes Schaukelgerüst mit Kletternetz und kleinkindertauglicher Rutsche und daneben ein Wackelpferd mit Spiralfeder drunter; aber leider ohne passenden Untergrund, einfach nur recht spitzer und grober Kies…) und haben die 4 etwas toben lassen.

Danach sind wir (zugegebener Massen etwas frustriert über unser isoliertes dasein hier in der Marina Supetarska Draga; in Rab selber wäre nämlich auch frei gewesen, ich dachte nur wir sind hier mit der Möglichkeit nach Rab für einen Tag zu fahren und auch zu baden besser dran) ins Marinarestaurant zum Mittagessen gegangen. Das war ziemlich gut. Die Werbung „nicht nur in Kroatien sondern auch im Ausland bekannt“ ist zwar nicht wirklich aussagekräftig in einer Marina die zu 50% mit Deutschen und Österreicher Dauerliegern voll ist. Aber wir waren sehr zufrieden.

Danach nochmal auf den Spielplatz, dann einkaufen im Mini-Supermarkt neben dem Marinaeingang und zurück zu tonttu. Dort habe ich dann die entrosteten Bimini-Gestänge mit Baby-Öl eingerieben. Das soll angeblich das schnelle wieder anrosten verhindern (ist ja schliesslich eh' alles nur Flugrost, aber auch der nervt) und sonst noch ein paar Kleinigkeiten erledigt: Längere Leinen an den Gangway-Lift, so dass ich mir nicht immer die Birne am Bügel anhaue, wenn die Gangway mal etwas tiefer hängt; neue, dickere Leinen an einige Fender; Cockpit ausgespritzt; Deckel über dem Ruderquadranten abgeschraubt und darunter nach dem Rechten gesehen und gereinigt. Also mal wieder Hausmeistertätigkeiten. Aber irgendwie muss man die Zeit hier in der Marina ja sinnvoll nutzen. Und meine Memoiren kann ich ja noch nicht schreiben. Dazu steht ja noch zu viel an…

Danach sind wir alle noch zur Aussenmole und ich bin mit den Mädels dort kurz schwimmen gewesen. Es war gefühlt s..kalt. Aber wahrscheinlich hat es immer noch knapp 24 Grad, nur mit bedecktem Himmel und „nur“ noch 28 Grad Aussentemperatur deswegen, fühlt sich das schon recht kühl an.

Vor und nach dem Abendessen haben die Mädels mit einem Mädel (den Namen konnten sich meine beiden Leuchten nicht merken) von schräg gegenüber eifrig gekeschert. Wahrscheinlich sagen sich die Fische: Können diese blöden Segler nicht mal ihren Nachwuchs an die Leine nehmen. Immer nerven die mit ihren leuchtend rosa und grünen Netzdingern. Keiner von uns ist so blöd da reinzuschwimmen. Aber immer wieder ausweichen, macht einfach keinen Spass.

Jetzt ist eigentlich recht schöne Abendstimmung. Die Sonne geht unter den Wolken unter und es weht meist gar nicht. Dazwischen kommt aber immer wieder mal eine abgelenkte Böe hier in die Marina geblasen. Mal aus NW, mal aus NE. Je nachdem wie sie um den „Berg“ östlich der Bucht herumgeleitet wird.

Wir werden morgen früh entscheiden, ob wir noch eine Nacht bleiben (und den Tagesausflug nach Rab nochmal versuchen), evtl. mit tonttu nach Rab fahren und dort in die Marina gehen für eine Nacht, oder den kurzen Hopser nach Krk rüber „wagen“. Das wären eineinviertel Stunden freie Strecke über die Haupteinflugschneise…

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