Ein Sommer mit "tonttu"

Logbuch des Törns 2013

Wir sind im Juli/August diesen Jahres nochmal als Familie 2 Monate auf tonttu unterwegs (bevor Anna im September in die Schule kommt).

Wie letztes Jahr werden wir wieder jeden Abend einen Eintrag in unser bLogbuch schreiben und dort berichten wo wir sind und was wir an diesem Tag so alles erlebt haben.

Wenn mal kein aktueller Eintrag vorhanden ist, dann bitte nicht verzweifeln, denn dann sind wir in einer so einsamen Bucht gewesen, dass wir keinen Internetempfang mit dem Handy hatten ;-) Wir holen den Eintrag dann so rasch wie möglich nach.

Tag 41, 8.8.2013

Nachdem ja gestern durch mehrere Ärzte bestätigt wurde, dass wir wieder reisefertig sind, haben wir heute nach dem gemütlichen Frühstück Sibenik verlassen und sind gegen halb 11 aus dem Sibenik-Kanal (der Mündung der Krka) ausgefahren und haben den Bug gen Norden gewendet.

Oh, war das poetisch ;-)

Dort im Kanal gibt es jedoch einige alte Militäranlagen. In Kroatien ist wohl gerade eine Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ am laufen, denn die Bunkeranlage ist jetzt plözlich ein Strandbad geworden:

Wir wollen ja in den nächsten Tagen nach Zadar, da wir dort das eine Doppelkissen umtauschen wollen, welches ich in Sibenik bestellt habe. Das hat nämlich Abdrücke eines Computerausdrucks auf der einen Seite. Der Marine Shop Händler in Sibenik hat es auch mit mehreren verschiedenen Reinigungsmitteln nicht wegbekommen letzten Samstag und mir dann angeboten, dass er ein neues nach Zadar zur dortigen Filiale bestellt und wir es dort ab Mittwoch (also gestern) abholen können.

Da wir ja jetzt nochmal in Sibenik waren (ungeplant), habe ich nochmal in Zadar anrufen lassen, dass wir erst nächste Woche vorbei kommen.

Laut Wetterbericht werden wir aber in der Nacht von morgen auf übermorgen etwas kräftigeren Nord- bis Nordost-Wind bekommen. Das dann bis Sonntag Abend. Wir planen deshalb evtl. in die Marina Kornati nach Biograd zu gehen für die zwei Nächte. Das wird ja ab September unsere Heimatmarina und dort steht auch schon unser Bus. So können wir dann Landausflüge (evtl. auch nach Zadar) machen.

So haben wir also einen kleinen Umweg gemacht und sind an Vodice vorbei gefahren um es uns zumindest aus der Ferne anzusehen. Danach sind wir auf der Westseite von Murter entlang und wollten dort eigentlich in eine der zahlreichen Buchten. Allerdings waren die alle schon einigermassen voll und vor allem an den Ufern total bebaut und am Wasser meistens mit Stränden von Campingplätzen und Hotels ziemlich überfüllt.

Anna und Lara zeigen die neueste Bademode und Accessoires:

Schlussendlich sind wir weiter gefahren bis Arta Mala. Das ist eine der kleinen Inseln in der nördlichen Verlängerung von Murter. Dort gibt es eine Südbucht, die laut meinem Hafenhandbuch sehr schön und auch gut frequentiert ist. Zum Glück war dem nichts so. Es lagen nur ein paar Motorboote nahe an der Felsküste und so konnten wir uns mitten rein legen mit 45 m Kette auf 8.5 m Wassertiefe.

Inzwischen sind die meisten Motorboote gegangen. Leider ist dann noch ein Chartersegler mit deutscher Besatzung rein gekommen. Die haben wohl auch den Kurs „Ankern schnell gemacht“ besucht, nicht „Ankern richtig gemacht“. Auf jeden Fall war es wieder mal ein klassisches Beispiel wie man es nicht machen sollte: Mann fährt erst wilde Kreise und legt dann den Rückwärtsgang ein. Dann rennt er nach vorne an den Bug (wo übrigens der ca. 14-jährige Sohn liegt und liest; also nicht hilft) während Frau ans Steuer geht und dieses einfach nur festhält, also nicht steuert. Vorne angekommen macht Mann erst mal gemütlich den Ankerkastendeckel auf. Man erinnere sich, das Schiff fährt von dem eigentlich geplanten Ankerfallenlasspunkt fröhlich weiter achteraus (= rückwärts). Dann irgendwann hat Mann die Kabelfernbedienung des Ankers gefunden und lässt ihn erst mal vorsichtig bis auf die Wasseroberfläche runter. Das ist ja richtig so, hätte nur vor dem ganzen Manöver geschehen sollen. Dann geht der Anker endlich weiter runter und ist dann ca. 8m tiefer endlich auf dem Grund. Zwischendurch hat Mann Frau aufgefordert aufzustoppen und den Gang rauszunehmen. Wieso? Keine Ahnung… Jedenfalls wird damit erreicht, dass die weitere Kette, die runtergelassen wird nachdem der Anker auf Grund ist (ca. 15 weitere Meter) fein säuberlich auf einem Haufen aufgeschichtet wird. Dann stoppt Mann die Ankerwinsch, schaut nochmal kurz in die Runde (Will er Beifall? Dafür sicher nicht!) und bedeutet Frau dann den Motor abzuschalten.

So, und das wäre die richtige Version: Mark fährt erst mal die ganze Bucht auf der 5-Meter Wasserlinie aussen herum ab. Damit hat er eine Klare Grenzlinie auf dem Chartplotter als Track hinterlegt die er beim Schwojen nicht überschreiten will. (Wenn die Bucht grösser wäre würde Mark natürlich nur den ungefähren Ankerpunkt grosszügig umfahren.) Danach fragt Mark ob Iris am Anker bereit ist. Iris sagt ja, denn sie hat inzwischen schon die Fernbedienung in der Hand und den Anker bis kurz über die Wasseroberfläche heruntergelassen. Jetzt fährt Mark gegen den Wind (auch wenn es noch so wenig ist) soweit wieder aus der Bucht heraus (bzw. von seinem geplanten Endpunkt weg), dass genügend Kette für die Wassertiefe ausgelegt werden kann. Immer mindestens die 5-fache Wassertiefe, wenn es flacher ist (also unter 6m) gerne auch mal etwas mehr. Dann stoppt Mark auf und geht in den Rückwärtsgang. Gleichzeitig (wir haben ja 8.5m Wassertiefe, es dauert also eh' eine Weile bis der Anker auf dem Grund ankommt) sagt er Iris, dass sie den Anker fallen lassen kann. Das heisst unter Seglern „herunterlassen“. Also Iris kurz stoppt um nach hinten „20m“ rufen zu können (das ist die Menge an Kette die zu diesem Augenblick rausgelassen ist), sagt Mark zu Iris „bitte 45m Kette“ und Iris lässt die Winsch weiter runterlaufen. Dabei fährt Mark bzw. tonttu immer weiter langsam rückwärts. Je nach Windstärke mit Motorkraft oder ohne. Als Iris bei 45m angekommen ist und das nach hinten meldet sagt Mark „dicht kommen lassen und testen“. Das bedeutet im eingespielten „Team Rosa“, dass Mark weiter langsam nach hinten fährt, bis die Kette sich spannt und damit der Anker wohl schon anfängt sich einzugraben. Iris steigt dann nach vorne auf das Bugspriet, setzt den Fuss leicht auf die Ankerkette ausserhalb vom Schiff und prüft ob diese „ruckelt“. Das tut sie, wenn der Anker rutscht und die Kette immer wieder neu auf Spannung kommt. Wenn das nicht passiert meldet sie das mit einem Nicken und Mark gibt mehr Rückwärtsgas und sagt „ich gebe mehr Gas“ (so auf ca. 1500 Umdrehungen, das wären sonst knapp 5kn). Wenn Iris dann immer noch meldet, dass der Anker nicht rutscht und Mark durch Seitenpeilung (zur Seite an Land einen Ort über eine markante Stelle auf dem Schiff beobachten, ob sie sich verschiebt) zum gleichen Ergebnis kommt, dann nimmt Mark den Gang raus und sagt Iris, dass sie den Ruckdämpfer anbringen kann. Dabei lässt Iris dann notgedrungen nochmal ca. 3m Kette raus, damit der Anker nicht mit der Kette an der Winsch hängt sondern mit dehnbaren Leinen an den beiden Vorschiffklampen. Wenn das alles erledigt ist, dann schaltet Mark den Motor aus.

Irgendwie anders, oder? Was mich jetzt an der aktuellen Situation stört, ist dass der Wind heute evtl. nachts noch auf NW dreht und wir dann in Richtung deren Anker drehen. Mal sehen, wieviel Kette sie dann wirklich draussen haben.

Wir waren heute Nachmittag auf jeden Fall schön schwimmen und über die Felsen wandern und die Jungs haben in der Badewanne geplanscht und mit ihren neuen Pützen (so kleine schaufelartige Eimer oder eimerartige Schaufeln aus Weichplastik, die ich ihnen im Marine Shop in Sibenik gekauft habe) rumgespritzt.

Die „ARGE Wannenbefüllung“ bei der Arbeit:

Auf einem der Motorboote hatten sie auch noch einen JetSki im Schlepptau. Ich wusste gar nicht, dass man damit auch Wasserski fahren kann. Tatsächlich, es geht:

Danach habe ich ein Gemüsecurry gekocht und zum Nachtisch gab es Vanillepudding, den Iris heute Nachmittag gemacht hat.

Gerade hat sich Luca, nachdem er mit Luis wieder im Bett herumgealbert hat statt einzuschlafen, die Birne (also nicht das Obst, sondern den Hinterkopf) an der kleinen Ablage neben ihrer Matratze angehauen. Das gibt eine schöne Beule morgen! Aber zu Hause passieren ja die gleichen Dinge, nur hier unterwegs macht man sich irgendwie immer mehr Sorgen…

Hier in der Bucht ist jetzt alles wunderbar ruhig, nur die Möwen lachen sich einen Ast. Keine Ahnung was die so lustig finden!

Tag 42, 9.8.2013

Hallo zusammen. Wir haben unsere „Fluchtburg“ erreicht. Nicht die gewünschte in Biograd (unserem „Winterlager“ ab 1. September) aber dafür die Marina Dalmatija in Sukosan, etwas 15km südlich von Zadar.

Gemäss dem kroatischen Wetterbericht (DHMZ oder meteo.hr) soll es ja ab morgen sehr früh starken Wind aus NW bis NE geben. Man kann darüber streiten ob das jetzt eine Bora ist oder einfach nur der Durchzug einer Kaltfront, aber wenn 30-45 kn Wind angesagt sind für die Nordadria und Teile der Zentraladria (Zadar liegt genau auf der Grenze) und bis zu 60kn im Velebit-Kanal (das ist östlich der Inseln Krk, Rab und Pag vor dem Velebit-Gebirge), dann gehe ich doch lieber für zwei Tage in eine Marina.

Leider waren wie gesagt alle anderen schon voll. Wieso muss Petrus oder Poseidon (je nach Gusto) den Starkwind auch unbedingt auf das Wochenende legen, wo alle grösseren Marinas sowieso schon mit den Crewwechseln der Charterschiffe komplett überfüllt sind?

Wir haben heute morgen nochmal bei fast Windstille schön in der Südbucht der Insel Arta Mala gebadet und diesmal war Iris die Tierdompteurin (oder heisst das Dompteuse?):

Danach sind wir dann losgefahren und haben uns durch die nördlich von Murter gelegenen kleinen Inseln geschlängelt. Echt ein schönes kleines Revier. Wenn man ein Motorboot hat. Denn dann kann man auch zwischen fast allen Inseln durchfahren ;-) Für uns ist es meistens zu flach und wir mussten immer wieder Umwege fahren.

Danach ging es auf den Südeingang des Zadarski Zaljev (den „Kanal von Zadar“ zwischen den Inseln Ugljan und Pasman und dem Festland) zu. Dort liegt Biograd na Moru, wo tonttu ab September einen Jahresliegeplatz hat. Leider haben uns die Leute von der Marina gestern am Telefon nicht viel Hoffnung auf einen Platz für zwei Nächte gemacht. Wir sollten es einfach heute morgen nochmal telefonisch probieren. Das habe ich auch getan und man wollte mich nach 10 min zurückrufen. Als nach 40 min immer noch kein Rückruf kam habe ich nochmal angerufen und bin dann auf später verwiesen worden. Man müsse erst mit dem Manager sprechen. Keine Ahnung wieso. Wenn voll ist ist voll. Das kann ich ja durchaus akzeptieren. Ich habe mir also keine grossen Hoffnungen gemacht. Es wäre aber ideal gewesen, denn dort in der Marina steht ja schon unser VW-Bus und wir hätten dann gemütlich einen Ausflug nach Zadar machen können.

Als wir vor der Marina waren, habe ich per Funk nochmal nachgefragt, aber es war nichts frei. Also weiter nach Sukosan zur Marina Dalmacija. Dort habe ich gestern einen Platz reservieren können. Zumindest meinte der Mann am Telefon es sei kein Problem ich sollte einfach kommen. Auf mein drängen hin hat er zumindest noch den Schiffsnamen notiert (sagte er zumindest).

Mit der gegenäufigen Strömung und dem stärker werdenden Gegenwind (13kn) kamen wir nicht mehr so schnell vorwärts, und wollte nicht noch durch aufkreuzen mehr Zeit verlieren, denn heute sind die Plätze in den Marinas schnell aus…

Wir waren dann gegen 15 Uhr vor der Marina und am Funk war man in den Antworten auf meine Anfrage nach meinem reservierten Platz sehr zögerlich, hat sich aber nicht die Blösse gegeben zu sagen, man wüsste nichts davon. Ich bin also reingefahren und wurde gebeten noch ein wenig Kreise zu drehen bis man einen Platz gefunden hat. Nach ca. 10 min war es auch so weit und wir liegen jetzt am Steg 30 direkt neben einer anderen Hanse 495 aus Italien. Die haben sich ein wenig gewundert warum ich mich so eingespannt habe und so viel Abstand hinten zur Mole gelassen habe (wir kommen mit der Gangway gerade so rüber). Aber so sind sie halt die segelnden Italiener. Sie wissen zwar vom Wetterbericht, lassen sich davon aber nicht weiter stören. Auch eine Einstellung. Vielleicht auch gar nicht die schlechteste.

Wir sind dann erst mal zum Strand vor zum Eis essen und schwimmen. Die Marina hier hat nämlich einen Teil der Stege halbkreisförmig (mit dem Zentrum des Kreises nach aussen zum Meer) angeordnet und in diesem Halbkreis haben sie Kiesstrand aufgeschüttet. Und unser Steg 30 ist genau im Zentrum dieses Halbkreises. Es sind also ca. 100 m zum Strand ;-)

Zurück an Bord gab es Tortellini mit Schinken, Erbsen und Sahnesauce und in dünne Blättchen geraspeltem Parmesan. Man muss ja auch dafür sorgen, dass das Essen optisch etwas her macht :-)

Danach haben wir die Kinder ins Bett gebracht und ich habe tonttu zum Grossteil Windfest gemacht. Der Code0 (den wir auf dem Weg von den Murterschen Nordinseln nach Biograd gebraucht haben) ist zum Teil in der Tasche und der Rest an Deck festgelascht. Das Dinghi auf dem Kopf und gut an Deck verzurrt. Das Grosssegel in der Lazy-Jack Tüte eingepackt und zusätzlich zu den beiden Moorings und den beiden Heckleinen habe ich noch zwei Springs am Heck ausgebracht und zwei weitere Leinen (eine ins vermeintliche Luv bis vor das Nachbarschiff am Steg; die andere als weitere luvseitige Heckleine von der Mittelklampe aus auf den Poller) ausgebracht. Zum grossen erstaunen der Italiener. Die lachen sich wahrscheinlich heimlich einen Ast.

Wenn es aber wirklich wie angekündigt morgen früh um 5 losgeht, dann ziehe ich nur kurz die schon vorbereiteten Leinen fest und lege mich wieder ins Bett und die turnen halb verschlafen übers Deck und holen dann alles nach.

Wenn es nicht weht, dann kann ich meine Leinen ja wieder alle reinholen. Wenigstens weiss ich dann, dass ich viele ganz tolle Leinen habe ;-)

Ach so, a propos Italiener auf Segelyachten (wird bei Italienern auf Motoryachten wohl nicht anders sein): Es ist erstaunlich, aber die verwenden fast alle durchgehend Plastik-Wegwerfgeschirr. Das Zeug bei dessen Verwendung an einem Kindergeburtstag (da sind es ja dann meistens Pappteller, aber das macht ja keinen wirklichen Unterschied) wir immer so ein schlechtes Gewissen bekommen. Vor allem wusste ich noch nicht, dass es von dem Zeug sogar Wegwerf-Salatschüsseln und sonstiges Grossgeschirr gibt. Vielleicht gibt es das aber auch wirklich nur für den italienischen Markt ;-)

Tag 43, 10.8.2013

Heute haben alle auf den Sturm gewartet. Und er kam nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass der Wetterbericht dieses Wochenendes von der IG Marina HR (der „Interessensgemeinschaft der Marinas Kroatiens“) gesponsert worden ist. Aber eigentlich ist es hier ja am Charter-Wechselwochenende sowieso schon voll genug.

Jedenfalls sah es heute morgen erst mal ziemlich bedeckt und Westlich von uns über den Inseln Pasman und Ugljan sogar sehr schwarz aus. Ich habe also alles dicht gemacht, bevor wir nach dem Frühstück und einer obligatorischen Waschmaschine das Taxi für die Fahrt nach Zadar angerufen haben.

Anna hatte noch ein Blümchen auf der Mole gefunden und es dann in einem Silikon-Muffin-Förmchen mit Wasser in einer Tupperdose auf den Cockpittisch gestellt. Den Schwitzkasten hat das Blümchen leider nicht überlebt :-(

Leider war heute sehr viel Verkehr, so dass wir eine halbe Stunde auf das Taxi warten mussten. Dafür hat es uns sechs ohne mit der Wimper zu zucken mitgenommen. Nur durfte Luis nicht vorne auf meinem Schoss sitzen, sondern musste auch auf die Rückbank (das waren sie dann zu fünft; ob das besser ist?).

Nach einer knappen halben Stunde waren wir dann für 97kn (plus üppiges Trinkgeld), also etwas 14€ in der Altstadt von Zadar.

Dort haben wir zuallererst mal nach der Marina Shop Filiale gesucht, um das weisse Doppel-Schwimmkissen umzutauschen (so wie mit der Filiale in Sibenik ausgemacht), da es auf der einen Seite einen Abdruck von einem Computerausdruck hatte, den wir und auch der Mann in Sibenik nicht abbekommen haben.

Es war nicht ganz so einfach den Laden in den Gassen der Altstadt zu finden. Trotz iPhone-Navigation und einer vom letzten Jahr rührenden Grundkenntnis über das Stadtlayout. Aber irgendwann standen wir dann davor und ich hatte das Kissen in zwei Minuten umgetauscht. Jetzt gibt es endlich keinen Streit mehr beim Frühstück, wer auf welchem Kissen sitzen darf und ob man es mit dem Nachbarn teilen muss. Wir haben jetzt 4 gleiche. Oh, hätte ich doch 6 kaufen sollen, insgesamt? Nee, Mama und Papa sitzen gerne direkt auf dem Teakholz.

Danach sind wir vor zur Meeresorgel. Immer wieder gigantisch. Da hat ein findiger Künstler mit einem Orgelbauer zusammen eine Orgel in die Uferpromenade gebaut, die durch die Wellen des Meeres, welche die Luft in Kammern unter den Steinen zusammendrückt, betrieben wird. Klingt super. Da könnte ich den ganzen Tag bleiben. Das denken sich aber auch viele andere und deshalb ist es recht voll.

Die Kids fanden es aber auch sehr spannend. Luca ist von einem Loch zum anderen gerannt und hat geguckt wo die Töne her kommen.

Lara hat sich direkt über eines gelegt, sich das andere Ohr zugehalten und einfach zugehört.

Luis und Anna fanden aber zwischendurch die „Gehwegsbeleuchtung“ interessanter. Luis hat gleich probiert, ob man sie auf tonttu mitnehmen kann.

Das fand dann Iris wiederum nicht so spitze…

Danach haben wir dringend ein Restaurant für das Mittagessen gesucht. Luis wurde schon langsam ungeduldig im Buggy und Luca hat sich total aufgeführt, dass er nicht mehr in den Buggy wollte sondern denselben schieben. Das hat natürlich nicht besonders gut geklappt. Ich bin dann schlussendlich mit Anna, Lara und Luis voraus und habe ein Terassenrestaurant ausgesucht und Anna zu Iris als Scout zurückgeschickt. Wir haben dann dort auch erstaunlich gut gegessen. Es ging nur nicht sehr schnell, weil es in Zadar sehr voll war.

Kein Wunder, das Meer war ja auch leer. Vor Zadar fahren sonst normalerweise unzählige Segel- und Motoryachten vorbei. Heute hat man nie mehr als 2 oder drei gleichzeitig gesehen. Alle haben auf den Starkwind in den Marinas oder in Zadar gewartet.

Nach dem Essen haben wir die Kinder auf dem schönen Spielplatz bei der Promenade austoben lassen. Iris und ich haben abwechselnd „Wache gehalten“ und versucht nicht einzuschlafen im Schatten unter den Bäumen.

Mit einer Runde durch den DM und einem Eis haben wir den Zadarbesuch dann abgeschlossen und sind mit einem Taxi wieder zurück gefahren. Für genau 97.50kn; lustig!

Auch hier war noch kein Wind…

Wolfgang, unser Nachbar, der hier einen Dauerliegeplatz hat, war dann so freundlich und hat mich mit seinem Auto mit zum Einkauf in einen grossen InterSpar genommen. Ich habe einen grossen Einkaufswagen oben und unten komplett mit Getränken und einigen Lebensmitteln gefüllt. Aber hauptsächlich Getränke…

Als das alles an Bord war, bin ich vor zu Iris und den Kindern an den Strand und kurz darauf sind wir im Strandrestaurant essen gegangen. Die Kinder Palatschinke und Iris ein Risotto und ich eine Pleskavica.

So war es dann schon wieder 8 bis, die Jungs nach einer kurzen Dusche ins Bett kamen und jetzt versucht Iris die Mädels durch vorlesen zum Einschlafen zu bringen ohne selber vorher einzuschlafen.

Nachher kommt noch Wolfgang zu Besuch…

Ach, übrigens, jetzt weht es ein wenig mehr. Aber immer noch nicht nennenswert bzw. in dem Masse wie angekündigt! Aber besser so herum falsch als in der anderen Richtung.

Tag 44, 11.8.2013

Heute haben wir die „Fluchtburg“ planmässig verlassen. Und gerade heute gab es endlich Wind. Allerdings auch bei weitem nicht so viel wie angesagt, sondern nur bis zu 18kn. Erst (den ganzen Vormittag) aus SW (Süd-West) und dann ab Mittag mit 13kn aus NW (Nord-West).

Wir haben am Vormittag noch einiges erledigt: Wolfgang hat mir angeboten mich wegen einer leeren Gasflasche nach Biograd zu fahren. Dort kann man sie bei einer Tankstelle direkt nachfüllen lassen. Danach habe ich noch das Deck geschrubbt (nachdem wir den Code0 wieder hochgezogen und das Dinghi aus dem weg geräumt haben). Und am Schluss noch die Tanks gefüllt. Ausserdem war ich noch in der Marina-Rezeption um die Rechnung zu begleichen (der falsche Wetterbericht hat uns 2x 80€ gekostet; aber besser so als andersherum) - das ist bei der weitläufigen Marina selbst mit dem Roller eine äusserst langwierige Aktion -, habe unterwegs noch Tickets für die Kornaten besorgt für die nächsten Wochen und war noch ein paar kleine Dinge (unter anderem Mehl und Brot) einkaufen.

Zum Mittagessen gab es die Maiskolben, die sich Lara schon seit Tagen wünscht und die ich gestern im InterSpar besorgt habe.

Endlich, um 20 vor 2 sind wir dann losgekommen. Leider war der Wind dann nicht mehr so ideal und so mussten wir unter Segeln aufkreuzen. Das haben wir bis nördlich von Zadar gemacht und dann doch wieder die Segel geborgen und sind unter Motor weiter in Richtung Vir. Das wollte ich mal kennen lernen und es erschien mir bei der durch den NW-Wind bedingten leichten Welle der ideale Ankerplatz um ruhig zu schlafen.

Vor dem Örtchen Vir auf Vir (denen fällt auch nichts spannenderes ein ;-)) sind wir dann um halb 6 angekommen und haben auf idealem Ankergrund (ganz langsam seichter werdender Sandboden mit leichtem Seegrasbewuchs) auf 5 m geankert mit 35m Kette. Ruhiger Schlaf ist also angesagt, auch wenn der Wind wie angesagt über Nacht auf NE wechselt.

Nicht weit von uns ist am Strand eine Ruine eines alten venezianischen Forts und in die andere Richtung sieht man das beeindruckende Velebit-Gebirge. Das ist schon irre hoch, dafür, dass es so direkt bis ins Meer runter geht. Leider ist es eben auch der Grund für die Bora, die hier immer wieder mal (scheinbar doch nicht so gut vorhersagbar) pfeift.

Da war auch noch einer mit einem aufblasbaren Surfboard unterwegs. Sowas habe ich noch nie gesehen …

Zum Abendessen gab es „Leibspeise“: Allgäuer-Südtiroler-Gnocchi ;-) Andere nennen es auch „Spinatspätzle“ mit Weisswein-Sahne-Zwiebel-Parmesan-Schinken-Sauce-Mit-Ohne-Schinken-Weil-Vergessen-Zu-Kaufen ;-) Trotzdem sehr lecker.

Auch die Jungs fanden das Essen Klasse. Luca wollte zwar partout nur auf Mamas Schoss essen (wir waren unten, ausnahmsweise) und Luis dachte er könnte immer wieder rumspringen statt weiter zu essen. Als ich ihm dann das Schälchen (nach mehrfacher Androhung dies zu tun) weggenommen habe, hat er wirkliche Existenzängste bekommen. Das sah so herzzerreissend aus, dass Mama und Papa doch glatt lachen mussten. Das fand Luis dann gar nicht mehr zum lachen…

Es schmeckt allen …

Mampffff

Hat der Luca auch sicher nicht mehr bekommen?!

Nachdem das Schälchen weg war, war Luis nicht mehr so gut drauf:

Mama muss sich das Lachen aber ganz schön verkneifen ;-)

Nachdem ich mühsam die Spätzlemasse von den Küchenuntensilien geschrubbt habe (das hasse ich an Spätzle) und dabei einen Spülschwamm ruiniert habe (weil total verklebt) haben wir noch die Jungs ins Bett gesteckt und hoffen, dass jetzt auch die Mädels bald ruhe geben. Kann es sein, dass ich mich in diesem Punkt ständig wiederhole? Ich lasse das in Zukunft weg und ihr denkt es euch einfach selber dazu :-)

Nichts ist mehr sicher vor den Kindern, die kommen einfach überall hin!

Der Wind ist jetzt auch eingeschlafen und man hört ganz leise aus dem Ort von einer Bar die Musik und das Gelächter der Leute. Nach und nach kommen doch noch ein oder zwei andere Segelschiffe und ankern weit weg von uns (hier wäre Platz für ca. 100 weitere Schiffe) und man hört leicht das zirpen der Grillen in den Bäumen am Ufer vor uns.

Ach wie schön …

Tag 45, 12.8.2013

Abgesehen von der Musik von drei Bars/Diskotheken an Land war die Nacht sehr ruhig. Soo schlimm war es eigentlich gar nicht, aber je nach Windrichtung (der Wind war nur noch sehr leicht und hat immer wieder leicht gedreht), hat man entweder eine oder zwei, oder im schlimmsten Fall auch alle drei gleichzeitig gehört. Das war dann akustisch nicht mehr so ein Traum. Aber besonders laut war es bei uns am Ankerplatz gar nicht mehr.

Wir sind am Vormittag erst mal mit dem Dinhi zur Ruine des Venezianischen Forts gefahren. Das war aber eigentlich nur noch ein grösseres Stück Mauer mit Schiessscharten und zwei viereckigen Türmen an den Enden. So sind wir dann relativ schnell wieder zurück zum Strand direkt gegenüber von tonttu gefahren.

Das war ein öffentlicher Gemeindestrand (nebenan war ein Campingplatz) und super gepflegt. Es standen einige Mülltonnen bereit, es gab sogar ein Dixi-Klo und rund um die Bucht war Kiesel aufgeschüttet und im Wasser war immer wieder sandiger Grund. An der Schnittstelle zum Campingplatz war dann sogar noch ein Eisverkauf. Was will der Rosa-Mensch mehr ;-)

Wir haben also fleissig gebadet (der ganze innere Teil der Badebucht was so flach, dass die Jungs höchstens bis zum Hals im Wasser standen und wir teilweise recht entspannt unsere Meute vom Strand aus beobachten konnten.

Um halb eins haben wir statt des Mittagessens erst mal ein Eis gegessen, danach noch etwas gebadet und sind dann zurück aufs Schiff. Nach dem Ablegen gab es dann eine Brotzeit mit Tomaten-Avocadosalat (wie immer von Iris mit Zitrone und echter Vanille gemacht), Hummus (auch von Iris selbst gemacht; denn im letzten DM haben wir endlich wieder Kichererbsen bekommen, nachdem wir ewig lange nach Tahine, der Sesampaste gesucht hatten und unsere Kichererbsenvorräte anderweitig verkocht haben) und das gestern frisch gekaufte Brot.

Das ganze bei 10kn Wind raumschots und segelnd mit dem Vorsegel mit gemütlichen 4-4.5kn. Was will der Segler mehr, vor allem wenn man es nicht eilig hat.

Am späten Nachmittag sind wir dann an unserem Ziel der Bucht Bokasin angekommen an der Ostseite von Dugi Otok. Eine sehr schöne Bucht, die zwei kleine Inseln vorgelagert hat. Allerdings ist sie relativ tief, so dass man entweder ganz hinten direkt vor dem alten Schnellbootbunker (oder in dem Schnellbootbunker längsseits, aber das war schon belegt) ankern kann - da war kein Platz mehr - oder mit einer Landleine am Nordufer. Darauf hatten wir keine Lust.

Also haben wir uns halb in die Durchfahrt zwischen der nördlicheren der beiden vorgelagerten Inseln und Dugi Otok gelegt. Zumindest haben wir dort den Anker auf etwas über 8 m fallen lassen und uns dann mit dem Wind nach Süden etwas aus der Durchfahrt heraus gelegt mit über 50 m Kette.

Inzwischen haben sind hinter uns (also in Lee, d.h. der Wind abgewandten Seite von uns) 4 weitere Segler hingelegt.

Der erste der kam war ein Italiener. Das ist ja immer bemerkenswert, also habe ich meinen iPad auf dem ich gelesen habe kurz weggelegt. Und recht hatte ich. Es war diesmal nicht einer von der Gruppe der „kurzstag“- oder „schnell“-Ankerer sondern ein „nackt“-Ankerer. Das glaubt man nicht! Ich habe ja überhaupt nichts dagegen, wenn andere Leute auf ihren Booten unterwegs oder vor Anker der FKK frönen wollen. Kein Problem für mich. Aber muss man wirklich beim Ankermanöver am Steuerruder stehend (wohlgemerkt er stand auf der Cockpitbank wegen der besseren Übersicht; durchaus verständlich) nackt wie Gott ihn schuf 15m an mir vorbeifahren zum Ankerplatz? Das beste war, dass die drei anderen Mitsegler (noch zwei Männer und eine Frau) alle vollkommen bekleidet waren ;-)

Aber so bekommt man kostenlose Unterhaltung in den Abendstunden. Auch etwas wert…

Jedenfalls liegen jetzt 4 Segler in unserem „Abwind“. Ob das klug ist, bei einer 6-köpfigen Crew, die gerade Linsensuppe mit Würsteln gegessen hat ;-)

Wohin wir morgen fahren ist noch nicht genau klar. Wahrscheinlich an die Nordspitze von Dugi Otok. Für Übermorgen früh ist wieder stärkerer Wind angesagt. Er soll am sehr frühen Morgen anfangen und dann bis zum Donnerstag Mittag andauern. Wir werden morgen den Wetterbericht nochmal beobachten und uns evtl. in der Marina von Veli Rat (am Nordende von Dugi Otok) versuchen einen Platz für Mittwoch auf Donnerstag zu reservieren.